Für die Europäische Ethnologie erschließt Martin Heidelberger ein neues Gebiet - und dies gleich in doppelter Weise. Zum einen untersucht seine Ethnografie das "Making visueller Dokumente kriegerischer Konflikte. Zum anderen bietet sie eine Analyse der Funktionsweise des Bildermarktes, der die Fotografien aufnimmt und vertreibt. Auf der Basis von zahlreichen Beobachtungen und Gesprächen ergibt sich ein Einblick in die tägliche Arbeit von Fotografen und Redakteuren, bei der sich soziale, politische und ethische Konflikte häufen. Aufgrund medientechnologischer Innovationen ist diese Arbeitswelt zudem von einem ständigen Wandlungsprozess betroffen. Eindrucksvoll zeigt die Forschung, welches strategische Konzept der "Bildermarkt Nahostkonflikt" insgesamt beinhaltet: Fotografien werden zu Trägern und zu Bühnen, die ihrerseits letztlich Konflikte produzieren, weil immer neue und noch stärkere Bilder benötigt werden.
Offenbar mit Interesse hat Brigitte Werneburg diesen Band über den Arbeitsalltag von Fotografen in Israel und den palästinensischen Gebieten gelesen. Der auf Konfliktforschung spezialisierte Ethnologe Martin Heidelberger hat Fotografen, Agenturen und Bildredakeure vor Ort aufgesucht und befragt, erfahren wir. Dabei hat Heidelberger offenbar wenig über Manipulationen, aber viel über das journalistische Klassensystem erfahren, referiert Werneburg. Konkret heißt das: an der Spitze der Pyramide stehen die professionellen Fotografen der großen Agenturen, die aus der ganzen Welt herbeireisen, dann kommen die lokalen Fotografen, die Ortskenntnis haben, aber meist nur auf Honorarbasis und soziale Absicherung angeheuert werden. Und schließlich die Fotoamateure. Warum aber in der Bildberichterstattung über den Nahost-Konflikt das "David-gegen-Goliath-Bildklischee von steinewerfenden Demonstranten und martialisch aufgerüsteten Soldaten fester Bestandteil der Agenturbildsprache geworden" ist, erfahren wir aus der Kritik leider nicht.
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