Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.08.2003
Mit Interesse hat Valeska von Rosen zumindest einige Beiträge in diesem Sammelband über Frühformen des Porträts gelesen. Der Band basiert auf der Annahme, dass Porträts nicht einfach "Realität" abbilden, sondern auch "Images" formen. Als Beispiel nennt Rosen einen Aufsatz von Rolf Michael Schneider, der Denkmäler von Nero und seinem Nachfolger Vespasian vergleicht: Ließ Nero sich ab einem bestimmten Zeitpunkt als "verfetteten Genussmenschen" abbilden, inszenierte sich sein Nachfolger als das genaue Gegenteil, als "im Amt gealterten Princeps mit zerfurchten Gesichtszügen". Vespasians Herrscherbild, zitiert Rosen den Autor, wurde 'in direktem Bezug zur negativen Erinnerung" an Nero geformt. Das Grabbild Rudolf I. von Habsburg lässt dagegen keine Vergleich zu, erklärt Rosen, weil die Grabmäler seiner Vorgänger ohne Bilder blieben. Auch Rudolfs Physiognomie ist sorgenvoll. Hier gibt es zwei Erklärungsversuche, schreibt Rosen: Während Robert Suckale hier das Bild des Staatsmannes sieht, der sich für seine Untertanen aufopfert, erkennt Martin Büchsel darin "das mimische Repertoire der Heiligen unter dem Kreuz Christi". Rosen hat sichtlich Anregungen aus den Beiträgen geschöpft, ganz zufrieden ist sie mit dem Band jedoch nicht. Die Aufsätze hätten für ihren Geschmack ruhig mal von den "engen Pfaden" der mediävistischen Kunstgeschichte und der Klassischen Archäologie abweichen können.
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