Markus Orths

Das Zimmermädchen

Roman
Cover: Das Zimmermädchen
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783895610998
Gebunden, 137 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Lynn Zapatek putzt im Hotel Eden, und sie putzt gründlich. Wo andere Zimmermädchen nichts mehr sehen, fängt es bei Lynn erst an. Immer länger bleibt sie in den Zimmern, gebannt von allem, was sie dort sieht und findet: Zettel, Bücher, Kulturbeutel, Medikamente. Zunächst ist Lynn noch vorsichtig, dann wird sie immer dreister. Sie beschnuppert nicht nur die fremden Kleider, sie zieht sie auch an. An einem Dienstag hört sie den Schlüssel im Schlüsselloch und ihr bleibt nur ein einziger Zufluchtsort: Lynn kriecht unters Bett und verbringt die Nacht dort. Mit dem Gast über ihr. Von nun an liegt sie jeden Dienstag unter den Betten der Gäste und lauscht auf das, was über ihr geschieht. Das Zimmermädchen ist die intime Geschichte einer Suchenden, die wissen will, wie den Menschen gelingt, was ihr selbst so schwerfällt - das Leben.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.12.2008

Das ist ja mal eine originelle Hauptfigur, eine Putzfrau mit Putzzwang, den sie aber einfach fröhlich akzeptiert und durch das Naheliegendste bewältigt: putzend. Andreas Wirthensohn ist von dieser Erfindung Orths' zunächst geradezu bezaubert und folgt dem jungen Autor, der beim Bachmann-Wettbewerb auffiel auch bei weiteren Eigentümlichkeiten seiner Hauptperson: Sie legt sich unter die Hotelbetten der Gäste, belauscht sie, aber ohne Voyeurismus, mehr um sich ein Bbild von der Welt zu machen. Bis dahin hätte es Wirthensohn gereicht - aber die Geschichte geht weiter, wird zum kleinen Roman gedehnt und hier scheint sich der Autor dann doch etwas zu verheddern. Weniger wäre mehr gewesen. Aber man merkt, dass Wirthensohn dem Autor mehr zutraut und hofft, dass weitere Versuche folgen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.09.2008

Nicole Henneberg zeigt sich sehr angetan von Markus Orths' neuem Buch "Das Zimmermädchen". Es geht um das aus der Psychiatrie entlassene Zimmermädchen Lynn, das in den von Hotelbesuchern hinterlassenen Spuren schwelgt und endlich, als ihr der Einfall kommt, sich unter den Betten zu verstecken, intimen Einblick in das Leben der Zimmerbewohner und auch in ihr eigenes bekommt. Begeistert ist die Rezensentin, wie "überzeugend und liebevoll" der Autor seine Hauptfigur zeichnet, deren seltsamen Ängste und Zwänge dadurch für die Leser verständlich, ja geradezu einleuchtend werden. Und wenn Lynn am Ende unter das Bett der eigenen Mutter kriecht, zu der sie ein äußerst schwieriges Verhältnis unterhält, dann gewinnt das Buch eine beeindruckende wenn auch "beunruhigende" Qualität, wie Henneberg preist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.08.2008

Meike Fessmann ist zufrieden mit dem neuen Roman von Markus Orths. Die Geschichte um das Zimmermädchen Linda, die offensichtlich ein gestörtes Verhältnis zu Schmutz, Körperlichkeit und ihrer Mutter hat und ihre Arbeit dazu nutzt, in das Leben anderer Menschen einzutauchen, ist nach Ansicht Fessmanns verdientermaßen bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt ausgezeichnet worden. Allerdings findet sie den Roman weniger als Porträt einer ebenso sympathischen wie unheimlichen jungen Frau überzeugend denn als "Spiegel allgemeiner Ängste". Sie denkt dabei besonders an das in der mobilen Dienstleistungsgesellschaft gestörte Verhältnis zum Raum, das den Gegenwartsmenschen kennzeichnet, und dessen Angst, die eigene Privat- und Intimsphäre nicht mehr schützen zu können.
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