Matthes und Seitz, Berlin 2026
ISBN
9783751830683 Kartoniert, 174 Seiten, 16,00
EUR
Klappentext
Der Fuß auf dem Kopf eines Pharaos: Die Statue Jean-François Champollions im Ehrenhof des renommierten Collège de France ist zum Stein des Anstoßes geworden. Um 1870 von Frédéric-Auguste Bartholdi geschaffen - dem Bildhauer der Freiheitsstatue von New York -, ist ihr Bildprogramm widersprüchlich: Erdacht als heroisches Denkmal des Willens zum Wissen, liegt über ihr zugleich ein tragischer Schatten, der auf Champollions krisenhaftes Weltbewusstsein verweist. Gefeiert für die Entzifferung der Hieroglyphen und eine neue Geschichte der Menschheit, machte Champollion zwischen 1827 und 1829 bei Begegnungen mit Angehörigen der nordamerikanischen Osage-Nation in Paris und während seines Aufenthalts in Ägypten prägende Erfahrungen mit kolonialer Gesellschaftszerstörung und Kulturtod, die eng mit jenem Verständnis von Weltwissen verknüpft waren, dem er selbst Aufstieg und Ruhm verdankte. Champollions Zweifel und sein Handeln werfen Fragen auf, die Markus Messling zum Ausgangspunkt nimmt, um über unseren Umgang mit dem Erbe des Kolonialismus in Europa nachzudenken.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.06.2026
Rezensent Clemens Klünemann versteht die Champollion-Stazue im College de France neuerdings als Mahnmal, nicht als Stein des Anstoßes. Der Romanist Markus Messling schließt ihm die Vielschichtigkeit der Darstellung auf, indem er die Entstehungsgeschichte der Skulptur erkundet und ihre Erscheinung genau analysiert. So kann er zeigen, dass sich unter dem Fuß des abgebildeten Ägyptologen einmal ein Sphinxkopf befand. Der angeblich negative koloniale Blick auf Ägypten, der die Skulptur anstößig machte, schmilzt in der Analyse zusammen, staunt Klünemann, und übrig bleibt Campollion als Erforscher des universalistischen Weltwissens, der sich der machtpolitischen Aspekte seiner Arbeit bewusst immer mehr wurde.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.04.2026
Einen kluge Intervention in die Debatte um Postkolonialismus stellt dieser Essay Markus Messlings dar, findet Rezensent Fabian Endemann. Konkret geht es um eine Statue Frédéric Auguste Bartholdis, die den Ägyptologen Jean-François Champollion darstellt - wie er seinen Fuß auf den Kopf eines Pharaos legt. Ägyptische Intellektuelle warfen der lange wenig beachteten Statue vor, dass sie einen kolonialistischen, gegenüber Ägypten abwertenden westlichen Blick darstelle. Messling zeigt, dass die Sache komplizierter ist. Er argumentiert unter anderem, dass Bartholdi Champollion eher als einen Denker denn als einen Triumphator darstellt. Auch gibt er zu bedenken, dass Champollion politisch auf Seiten fortschrittlicher Kräfte stand - wobei er sich allerdings gleichzeitig an imperialen Unternehmungen wie der Pariser Weltausstellung beteiligte. Insgesamt zeigt sich bei Betrachtung dieser Arbeit, so Messling, wie ein universalistisches Weltbild in eine Krise gerät. Auch Messlings Überlegungen zu Reparationen, die er als Voraussetzung republikanischer Politik versteht, liest der Kritiker mit Gewinn.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Karl Ove Knausgard: Arendal Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Wo ist dein Platz im Leben? Wohin gehörst du? Wo liegen deine wahren Gefühle?Wir schreiben das Jahr 1976. Syvert Løyning ist nach einer…