Marie N'Diaye

Die Rache ist mein

Roman
Cover: Die Rache ist mein
Suhrkamp Verlag, Berlin 2021
ISBN 9783518430316
Gebunden, 236 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Claudia Kalscheuer. Maître Susane, 42, Anwältin in Bordeaux, erhält in ihrer Kanzlei Besuch von einem gewissen Gilles Principaux. Sie glaubt diesen Mann aus ihrer Jugend zu kennen: Da war eine Begegnung mit einem älteren, beeindruckenden Jungen aus reichem Elternhaus, die ihrem Leben eine ganz neue Richtung gab. Doch an das, was damals konkret geschah, erinnert sie sich kaum. Andeutungen ihres Vaters, der Junge könne ihr zu nahe gekommen sein, weist sie empört zurück. Principaux bittet sie, die Verteidigung seiner Frau zu übernehmen, die ein entsetzliches Verbrechen begangen hat: Marlyne Principaux hat ihre drei Kinder getötet. Maître Susane übernimmt den Fall - und stürzt ins Bodenlose. Was ist los mit dieser Mutter? Welche Rolle spielen in alldem Maître Susanes maurizische Hausangestellte und deren Kinder? Wer ist dieser Gilles Principaux wirklich? Und ist sie selbst überhaupt diejenige, die sie zu sein glaubt?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.10.2021

Rezensentin Maike Albath bewundert die Kunst von Marie Ndiaye, undurchsichtige Gefühle und Beziehungen zu gestalten, menschliche Gewalt auszuloten und dabei stets "geschliffen und elegant" zu schreiben. Dem steht auch der neue Roman in nichts nach, versichert die Kritikerin, die sofort in den Bann gezogen wird. Erzählt wird die Geschichte der Anwältin Maitre Susane, die eine Mutter vertritt, die ihre Kinder tötete und mit deren Mann Susane ein dunkles Geheimnis teilt. Zu den Hauptfiguren gehört auch Sharon, Susanes illegale Haushaltshilfe, mit der sie eine eigenartige Abhängigkeitsbeziehung verbindet. Vor allem aber ist es Ndiayes Gabe, Körperlichkeit zu beschreiben, die die Rezensentin immer wieder in Erstaunen versetzt. Ein Roman voller Szenen und Sätze, die nachhallen, schließt sie.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.10.2021

Rezensentin Lena Bopp steigt mit Marie NDiayes neuem Roman in die Abgründe im Leben einer Anwältin, die ein Mandat mit der eigenen Vergangenheit konfrontiert. Die Autorin bleibt sich laut Bopp treu, wenn sie sich in der Geschichte der Anwältin dem Fragwürdigen und dem Obsessiven zuwendet. Welche Rolle der Mandant im Leben der Protagonistin spielt bzw. spielte, lässt der Text laut Bopp offen und erzeugt so eine krimiartige Spannung. Wie die Autorin ein Netz aus Uneindeutigkeiten webt und ihr Personal sich darin verstricken lässt, scheint Bopp überzeugend.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 13.10.2021

Rezensent Jörg Plath scheint es zu genießen, wie Marie NDiaye sowohl ihrer Protagonistin als auch dem Leser den Boden der Gewissheiten unter den Füßen wegzieht. Die Geschichte einer von Selbstzweifeln geplagten Anwältin liest Plath auch als Aufstiegsgeschichte a la Eribon, nur dass die Autorin daraus eine "Krankengeschichte moderner Subjektivität" macht, wie er erläutert. Die Verlegung der Handlung ins Innere der Hauptfigur, erscheint Plath als raffinierter Kniff, der den Leser an den Zweifeln und Befürchtigungen der Figur unmittelbar teilhaben lässt. Dass die Autorin die Motive im Text zu einem wahren "Psychoirrgarten" verdichtet, findet Plath so virtuos wie beunruhigend.