Marco Dinic

Die guten Tage

Roman
Cover: Die guten Tage
Zsolnay Verlag, Wien 2019
ISBN 9783552059115
Gebunden, 240 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

In einem Bus, dem täglich zwischen Wien und Belgrad verkehrenden "Gastarbeiter-Express", rollt der Erzähler durch die ungarische Einöde. Jener Stadt entgegen, in der er aufgewachsen ist. Die Bomben, der Krieg, Miloševic, den er zuerst lieben, dann hassen gelernt hat, und der Vater, für dessen Ideologie und Opportunismus er nur noch Verachtung empfindet, hatten ihn ins Exil getrieben. Entkommen ist er dem Balkan auch dort nicht. Marko Dinic erzählt zwanzig Jahre nach dem Bombardement von Belgrad von einer traumatisierten Generation, die sich weder zu Hause noch in der Fremde verstanden fühlt, die versucht die eigene Vergangenheit zu begreifen und um eine Zukunft ringt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.04.2019

Rezensent Burkhard Müller spürt in diesem Roman den Schmerz, den der Jugoslawien-Krieg bei dem 1988 geborenen Schriftsteller Marko Dinic hinterlassen hat. Mehr noch: Wenn ihm Dinic von Überleben, Migration, Zusammenleben in der Diaspora, Herkunft und Entwurzelung im Allgemeinen und einer Busreise mit lautem Jugo-Pop und aggressiven Männern im Konkreten erzählt, kann der Kritiker das Gemisch aus "Schnaps, Knoblauch und Kinderscheiße" geradezu riechen. Ein "roher", kalter, ebenso authentischer wie dringlicher, dabei nie zynischer Roman, schließt der Rezensent anerkennend.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.03.2019

Welches die "guten Tage" sind oder gewesen sein sollen, verrät Rezensent Anton Thuswaldner uns nicht. Aber vorstellbar ist, dass es solche Tage nur in den Augen des Vaters des Erzähler-Ichs einmal gab - und womöglich waren es die Tage des Krieges. Der Erzähler fährt, aus seinem Exil in Wien kommend, zur Beerdigung der Großmutter noch einmal nach Belgrad, voller Hass vor allem auf seinen Vater. Der Rezensent findet eine Parallele dazu im Hass der deutschen 68er-Generation auf ihre Nazi-Väter. Da gibt es kein wenn-und-aber, nur die blanke Wut auf die Erziehung zur Gewalt, auf serbische Nationalisten und Kriegshetzer, nur trostloses Erinnern an die Nato-Bombardements, das Sich-Selbst-Abschießen der Belgrader Jugendlichen jener Zeit mit Drogen aller Art. Kein Trost, nirgends, so Thuswaldner, dem die Personen des Romans etwas grob geschnitzt sind: Wer böse ist, ist auch hässlich. Und er fand es "zermürbend", dass der Anblick der serbischen Gegenwart in diesem Buch kaum einen Moment der Hoffnung auf eine andere Zukunft zulässt. Immerhin gibt es an einer Bushaltestelle einmal einen Mann, der seine lärmenden Kinder nicht anbrüllt: Eine winzige Insel von etwas anderem in diesem Roman, in dem ansonsten, "ein großes Wutprogramm abrollt", so der beeindruckte Rezensent.
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