Das Mädchen und der Tod
Roman

Secession Verlag, Zürich 2024
ISBN
9783966391016
Gebunden, 250 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Basierend auf einem Sexualverbrechen in Dessau, bei dem 2016 eine junge chinesische Studentin zu Tode gekommen ist, hat Luo Lingyuan einen Roman verfasst, der auf zwei Handlungssträngen beruht: Einerseits die Ankunft der jungen chinesischen Studentin in Deutschland und ihr Werdegang an der Dessauer Universität,ihre Freundschaften und ihre erste, zarte Liebe. Andererseits das Aufwachsendes Täters, sein soziales Umfeld, sein Konsum von Pornografie, sein brutales Denken und sein immer stärker wachsender Wahn einer Allverfügbarkeit des weiblichen Körpers.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2024
Nicht uneingeschränkt positiv bespricht Rezensentin Katrin Doerksen dieses Buch, das sie gleichwohl für einen relevanten Beitrag zu drängenden Debatten hält. Es basiert, erfahren wir, auf einem realen Kriminalfall, nämlich auf dem Mord an einer chinesischen Architekturstudentin in Dessau im Jahr 2016. Die Schriftstellerin Luo Lingyuan macht daraus, beschreibt Doerksen, einen True-Crime-Roman, der in einer Stadt namens K. in Mitteldeutschland spielt, und sich um die Studentin Yanyan sowie ihren späteren Mörder Ben dreht. Wie nicht unüblich im True-Crime-Genre gibt es ein Missverhältnis zwischen Täter- und Opferperspektive, moniert die Rezensentin, der Werdegang des früh kriminell und zum Vergewaltiger werdenden Ben ist um einiges spektakulärer als die Passagen zu Yanyan, die letztlich ein Opfer bleibt, das seinen Leidensweg hier ein zweites Mal gehen muss - inklusive expliziter Gewaltszenen. Stilistisch bleibt das Buch ambivalent, findet Doerksen, als Auseinandersetzung mit rassistischen Mechanismen und den unterschiedlichen Perspektiven darauf von Betroffenen und Mehrheitsgesellschaft ist das Buch für sie freilich hochgradig aktuell.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 24.09.2024
Leider wenig Lesefreude hat Rezensentin Marie Schoeß mit Luo Lingyuans Buch, das zwei Erzählfäden zu einer Gewaltgeschichte zuspitzt. Da wäre zum einen, referiert Schoeß, Ben, ein Schulversager ohne Freunde, der Gewaltfantasien hat, und zum anderen Li Yanyang, eine Chinesin, die in Deutschland studiert und die zunächst ganz naiv nur ihren Gefühlen folgt. Schnell wird klar, meint Schoeß, wer hier wen töten wird. Anders als Autoren wie Maggie Nelson oder Truman Capote gelingt es der Autorin nicht, ihrer Gewaltgeschichte Zwischentöne abzuringen, sie setzt auf Drastik - und verpackt ihre Geschichte leider auch noch in einer nicht mehr zeitgemäßen Sprache, legt den Figuren Beschimpfungen wie "dumme Kuh" in den Mund. So kommt man den Figuren nicht nahe, meint Schoeß enttäuscht.