Ludwig Hohl

Ludwig Hohl

Alles ist Werk
Cover: Ludwig Hohl
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783518415870
Gebunden, 289 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Herausgegebene von Peter Erismann, Rudolf Probst und Hugo Sarbach. Dieser Band enthält Hohls letzte und unpublizierte Fassung seines Werks "Von den hereinbrechenden Rändern" und versammelt Beiträge von Autoren, die sich seit vielen Jahren mit Hohl beschäftigen, u. a. von Friedrich Dürrenmatt und Max Frisch. Die zahlreichen, zum großen Teil unveröffentlichten Fotografien geben ein facettenreiches Bild des Autors wieder, der - nach Stationen in Frankreich, Österreich und Holland - zwanzig Jahre in Genf gelebt und gearbeitet hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.04.2004

Der Schweizer Autor Ludwig Hohl, der sich nach Jahren in Paris und den Niederlanden 1937 in Genf niedergelassen hatte, lebte mit einer in heutiger Zeit kaum noch vorstellbaren Radikalität für sein Schreiben, schreibt Martin Zingg voller Hochachtung. Im Großen und Ganzen war Hohls Werk im Jahr 1944 abgeschlossen, berichtet Zingg, anschließend habe Hohl unter erbärmlichsten materiellen Bedingungen in einer Kellerwohnung gelebt und seine Texte bearbeitet und geordnet. Hohls Texte sind meist kurz, so Zingg, das Notat wurde die ihm gemäße Form. Selten seien sie elegant oder geschliffen, allzu Glattem habe Hohl misstraut. Aphoristisch mag Zingg die Texte darum nicht nennen. Bei aller Abneigung gegen Theorie hat der Autor aber einen Hang zu eigenen Theoremen gehabt, stellt Zingg fest. Die vorliegende Dokumentation veranschaulicht aufs Beste, lobt Zingg, wie Schreiben und Leben bei Hohl ineinander verzahnt waren. Der Band enthält Aufsätze, Fotos und Faksimiles, und darüber hinaus einen bislang unveröffentlichten Text Ludwig Hohls, der in diesem April 100 Jahre alt geworden wäre.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.04.2004

Peter Hamm verbindet die Besprechung zweier Bücher von Ludwig Hohl mit einem ausführlichen Porträt des 1904 in der Schweiz geborenen Dichters. Ein charmanter Zeitgenosse war Hohl wohl nicht. Hamm beschreibt ihn als "erschreckend schroff", mit einem "hochfahrenden Wesen", pathetisch, humorlos und mit einem "Hang zum Superlativismus und zum Hierarchisieren". Der Sohn eines Pfarrers war ein Außenseiter, der vorzeitig vom Gymnasium verwiesen wurde, weil er "zu viel über Frauen, Zigaretten und Nietzsche" gesprochen habe. Dennoch, versichert Hamm, war Hohl ein begnadeter Schriftsteller, neben Valery "der größte Schriftsteller ohne Werk". Hinterlassen hat er nämlich keine Romane, Erzählungen oder Gedichte, sondern einen riesigen "Gedanken-Steinbruch" aus Notizen, Skizzen, Porträts und Traum-Notaten. Der Band "Alles ist Werk", ein Begleitbuch zu Hohl-Ausstellungen in Bern und Zürich, enthält neben seinem Werk "Von den hereinbrechenden Rändern" auch Essays über Ludwig Hohl und sein Schaffen, so Hamm. Hohls Text verdeutliche die Richtung seines Denkens: Denn für ihn zählte in der Kunst nicht der Stoff, sondern "allein die Nuance", so wie in der Philosophie nicht das System, sondern "allein das Detail" zähle. Die begleitenden Aufsätze porträtieren Hohl als einen Unglücksraben, der die Publikation seiner Notizen gerichtlich erkämpfen musste. Ein anderer Text beschreibt seinen Alkoholkonsum, berichtet Hamm. Hohl glaubte nämlich, dass die "höchste Stufe der Luzidität" nur erreichen kann, wer sich betrinkt und dann nach vier Stunden Schlaf anfängt zu arbeiten. Auch wenn Hamm in seiner Rezension die Themen von Hohls Werk nur andeuten kann, macht er neugierig auf einen Schriftsteller, der zumindest von Kollegen wie Frisch, Dürrenmatt oder Peter Bichsel auf das höchste bewundert wurde.