Giacomo Leopardi

Das Massaker der Illusionen

Cover: Das Massaker der Illusionen
Die Andere Bibliothek/Eichborn, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783821845111
Gebunden, 308 Seiten, 27,50 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Sigrid Vagt. Ausgewählt und kommentiert von Mario A. Rigoni. Wie Leopardi zu dem Ruf eines eher harmlosen Klassikers gekommen ist, dem allenfalls ein paar schöne, wehmütige Gedichte zu verdanken sind - das ist einigermaßen schleierhaft. Er war, darin Schopenhauer ebenbürtig, einer der radikalsten Pessimisten des neunzehnten Jahrhunderts, und seine Kritik der Zivilisation erinnert an Nietzsche. Nur, dass er kein philosophisches "Hauptwerk" hinterlassen hat, sondern ein immenses Sudelheft, den berühmten "Zibaldone". Aus diesem dreitausendseitigen Konvoluthat Mario Rigoni die historischen und politischen Reflexionen Leopardis ausgezogen...

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.03.2002

Oja, die Aphorismen von Giacomo Leopardi, verfasst in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts und nun in einer neuen Auswahl erschienen, haben Christian Schüle gefallen. Voller Hochachtung verleiht er Leopardi den Ehrentitel "zerrissenster Schwerblütler der Neuzeit". Radikalpoesie findet er in den Reflexionen des antiromantischen Dichters, und "Einsicht in die unfliehbare Tristesse des Seins". Diese Sammlung von Gedanken, meint Schüle, ist ein Buch, "das man allen verhetzten Glückssuchern der Inszenierungsgesellschaft zur Kühlung ans heiße Herz legen möchte."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2002

Gustav Seibt rezensiert ein Buch, das eine Auswahl von Notizen zu historisch-politischen Themen von dem Philosophen Giacomo Leopardi enthält. An den Stil des italienischen Autors, der zwischen 1798 und 1837 gelebt hat und der einer breiteren Leserschaft eher als Lyriker bekannt ist, müsse man sich erst "gewöhnen", warnt der Rezensent. Er weist auf den Hang Leopardis zu "zermalmenden Tiraden" hin, meint aber, dass daraus der Prosa auch eine "dringliche, überredende Kraft" zukommt. Der jeden Gedanken durchdringende Pessimismus schafft allerdings laut Seibt ein "tintenschwarzes, labyrinthisches Gefängnis", dessen Ausweglosigkeit durchaus erschreckenden Charakter habe. Besonders die Stellen, an denen Leopardi sich mit gesellschaftlich-politischen Illusionen beschäftigt, sieht der Rezensent als einen überraschenden Vorausblick in das 20. Jahrhundert mit seinen Katastrophen. Mario A. Rigonis Kommentar zu Leopaldi findet die fast uneingeschränkte Zustimmung des Rezensenten: Er lobt ihn als "reichhaltig " und "präzise". Nur der Hinweis auf Carl Schmitt statt auf den italienischen Philosophen Vico ist für Seibt eine unnötige Konzession an den Zeitgeschmack.
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