Liu Heung Shing (Hg.)

China

Porträt eines Landes aus der Sicht von 88 chinesischen Fotografen
Cover: China
Taschen Verlag, Köln 2008
ISBN 9783836505697
Gebunden, 424 Seiten, 39,99 EUR

Klappentext

Englisch-Deutsch-Französisch. Der Fotojournalist und Pulitzer-Preisträger Liu Heung Shing legt mit diesem Band eine visuelle Geschichte der Volksrepublik China und ein sensibles Porträt seiner Bewohner vor. Mit teils unveröffentlichten Bildern, die er in den Archiven von 88 chinesischen Fotografen entdeckte, dokumentiert er die Entwicklung der Volksrepublik China von 1949 zur aufstrebenden Wirtschaftsmacht und gewährt einen unzensierten, authentischen Blick auf die letzten sechzig Jahre, wie er in dieser Form noch nicht zu sehen war. Dieser Band zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie das chinesische Volk - allen Nöten zum Trotz - zu seiner heutigen Stärke gelangt ist. Wenn China in diesem Sommer den Vorhang lüftet und die breite Weltöffentlichkeit während der Olympischen Spiele auf Peking blickt, belegen die hier versammelten Fotografien den bemerkenswerten Weg, den China in den vergangenen sechs Jahrzehnten gegangen ist. Ergänzend sind in diesem Band eine Chronologie der wichtigsten politischen Ereignisse, eine aktuelle China-Karte sowie Biografien aller beteiligten Fotografen enthalten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.12.2008

Mit großem Gewinn hat Rezensent Andreas Breitenstein diesen "reich mit Texten orchestrierten" Fotoband zur Kenntnis genommen. Verdankt er ihm doch tiefe Einsichten in die Volksrepublik China von ihren Anfängen 1949 bis zu den Olympischen Spielen 2008. Für sein Buch habe Pulitzerpreisträger Liu Heung Shing unveröffentlichte Fotodokumente chinesischer Fotografen aus den letzten sechs Jahrzehnten ebenso gesammelt wie Textdokumente, Mao-Reden zum Beispiel. Auf diesem Weg werfe der Band immer wieder Blicke hinter die Kulissen von Macht und Propaganda, zeige das Leben der einfachen Chinesen durch die Epochen ebenso wie das Leben der Nomenklatura aus den 60er und 70er Jahren, die privat locker der ideologisch öffentlich geächteten familiär-bürgerlichen Lebensart gefrönt hätten, wie ihm die Fotos belegen. Auch werde anhand der Dokumente des Bandes deutlich, wie sehr sich China in den letzten 15 Jahren verändert habe. Bittere Kontraste und erhellende Blicke wechseln sich ab und sorgen für große Begeisterung beim Rezensenten für dieses ungewöhnliche und hochinformative wie sinnliche China-Buch.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.08.2008

Mit großem Interesse hat Rezensent Tilman Spengler diesen Fotoband über China angeschaut, der ihn, wie er schreibt, so dicht wie wenige Bücher an die jüngere und jüngste Geschichte dieses Landes herangeführt hat - und zwar auf dem Weg des Bildes. Auch dokumentiere dieser Band aus Spenglers Sicht höchst ironisch Tendenzen der chinesischen Propaganda bei der Darstellung des Landes. Zwar ist Spengler mit dem Textteil nicht immer ganz froh geworden, bei dem er manchmal tiefer gehende Kenntnisse und Informationen vermisst. Doch die Bildunterschriften können ihn mit Kompetenz und Prägnanz immer wieder entschädigen. Die Bilder sowieso.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.08.2008

Georg Blume scheut nicht den großen Vergleich, wenn er dem im Taschen-Verlag erschienenen Bildband des Fotografen Liu Heung Shing ähnliches Aufklärungspotenzial zutraut wie den Bildern aus dem befreiten Konzentrationslager Auschwitz hierzulande. "China - Porträt eines Landes" versammelt unveröffentlichte Fotos aus vielen Privatalben, die Liu Heung Shing auf einer Reise durch China von Fotograf zu Fotograf entdeckt hat. Auf offiziellem Weg sind natürlich keine Bilder aus der Zeit des Großen Sprungs oder der Kulturrevolution zu erhalten, hier herrscht die Zensur. Welchen Bildern wird nun dieser schockierende Effekt zugetraut? Es sind Bilder, die nur indirekt von dem Leid der Landbevölkerung während des Großen Sprungs künden: Bauern, die wieder mit Holz- statt Metallwerkzeugen arbeiten, weil alles Eisen für die Fabriken benötigt wird. Von den aus diesem technischen Rückschritt resultierenden Hungersnöten existieren keine Fotografien. Oder Mao als zahnloser, ergrauter Greis statt als energischer Revolutionär, wie die Propaganda ihn gern zeigt. Laut Georg Blume können selbst diese vergleichsweise harmlosen Bilder aus Liu Heung Shings Bildband die Erinnerung an die Jahre 1949 bis 1979 bewahren helfen, die die KP vergessen machen will.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.07.2008

Gottfried Knapp gibt sich fasziniert diesem umfangreichen Bildband zu China hin, der den rasanten Wandel des Landes porträtiert. Zusammengestellt wurden die Bilder vom Fotojournalisten und Pulitzer-Preisträger Liu Heung Shing, der dafür in den Beständen von 88 Fotografen - darunter auch, aber nicht ausschließlich offizielle Reporter - forsten konnte, teilt der Rezensent mit. Sehr gefesselt haben ihn vor allem die Aufnahmen, die Einblick in das Privatleben von Politikern bieten und die mitunter ziemlich entlarvend sind, wie er findet.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.07.2008

Als Horror-Roman erscheint diese Bilderchronik der Jahre 1949-2008 Andreas Platthaus zuweilen. Die schiere Fülle, eine lobenswerte Ausstattung, informative Texte (dreisprachig, doch leider nicht chinesisch, wie Platthaus bedauert) sowie Aktualität (bis hin zum Erdbeben in Sichuan) dienen dem Rezensenten als Grundlage. Darauf entsteht für Platthaus eine kritische Darstellung der Großmacht China. Erschüttert haben ihn manche Fotos (etwa aus Sichuan), die, wie Platthaus überrascht feststellt, mehr und mehr den Wert des Individuums proklamieren. Dass die Geschichte Chinas dennoch als Experiment mit katastrophalem Ausgang gelesen werden muss, daran lassen die Seiten den Rezensenten nicht im Zweifel. Der von dem renommierten Fotoreporter Liu Heung Shing getroffenen Auswahl und seinem geschickten Arrangement der Bilder, offiziellen wie inoffiziellen Ursprungs, verdankt Platthaus einen Bildband, der für ihn wie eine Fortsetzungsgeschichte funktioniert.