Liane Dirks

Narren des Glücks

Roman
Cover: Narren des Glücks
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2004
ISBN 9783462034035
Gebunden, 224 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Die Brissago-Inseln im Lago Maggiore, Silvester 1929: Auf diesem künstlichen Paradies versammelt der Großunternehmer Max Bernheim eine Festgesellschaft, um unter dem Motto "Die goldene Barke" Abschied zu nehmen von einem Jahrzehnt des Überschwangs. Doch was als rauschhafter Schlusspunkt gedacht war, mündet in eine Katastrophe. Eine Kaltfront bricht über den Lago Maggiore herein, als die ersten Gäste am Seeufer eintreffen. Sie werden argwöhnisch beobachtet von der verarmten russischen Baronessa, die einst die Inseln besaß und kultivierte, sie dann aber an Bernheim verlor. Auch Konrad Nemeczi, Psychiater und Halbbruder Bernheims, hat sich mit einigen Patienten oberhalb des Sees einquartiert, um seine Therapie der "offenen Tür" umzusetzen. Seine Frau und die halbwüchsige Tochter setzen zur Insel über, während er sich zurückzieht, um einen Vortrag zu schreiben, mit dem er seinen Namen über die Fachwelt hinaus bekannt machen möchte. Plötzlicher Eisregen gefährdet das große Feuerwerk und hält Nemeczi am Haus fest. Mit dem Glockenschlag um Mitternacht vollzieht sich im Glanz der Feuerwerkskörper eine Tragödie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.02.2005

Rezensent Ulrich Baron kann diesem Roman überhaupt nichts abgewinnen. Seiner Meinung nach hat sich die Autorin Liane Dirks schlichtweg übernommen. Der "schmaler Roman krankt daran, dass er von allem zu viel und zugleich zu wenig hat". Das größte erzählerische Manko ist, dass es die Autorin "nicht beherrscht, aus der Figurenperspektive zu erzählen". Nach Barons Meinung denkt sie "zu viel in ihre Gestalten hinein, ohne sie dabei zugleich glaubhaft zu entwickeln". Außerdem ist das Personal für eine so kurze Geschichte schlichtweg zu umfangreich. Dass das Buch "große Themen" aufgehängt an dem "Wechsel von den Goldenen Zwanzigern zu den schrecklichen dreißiger Jahren" erzählen will, erweist sich in den Augen des Rezensenten bald als Ballast, der dazu führt, dass der Roman "immer wieder gern auf seine flachste Seite fällt". So wird aus dem ambitionierten Projekt der Autorin statt eines "Seelendramas", wie es wohl beabsichtigt war, eine "kitschige Narrenposse".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.01.2005

Liane Dirks neuer Roman lässt Maja Rettig, die den Vorgänger in den Himmel lobt, "tief fallen" und beinahe verzweifeln. Ihr kommt es vor, als hätte man der Autorin das Thema verordnet, und was herauskommt, ist "schlecht gebürstetes Kunsthandwerk". Hier stimmt für die Rezensentin einfach gar nichts. Der ""archaisierend-märchenhafte" Tonfall, in dem die zwanziger Jahre vor der faschistischen Katastrophe geschildert werden, geht Rettig auf die Nerven, weil er den Leser "für dumm verkauft" und mit einer "Kitschschicht" versieht, was im Grunde nur schlicht angelegt ist. "Wirr" sei der Part mit den wissenschaftsumwälzenden Ideen eines Psychiaters, das Personal verharrt im Klischee, die Spannung wird "effektgeheischt" und überhaupt ist das Ganze für Rettig nicht mehr als ein "pseudopoetisches Aufblähen, eine einzige riesige Pose".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.11.2004

Es "fehlt der Rahmen, fehlt die Dringlichkeit" - zu diesem Schluss kommt Rezensent Wolfgang Schneider nach der Lektüre von Liane Dirks Roman "Die Narren des Glücks". In der Geschichte, die auf einem Inselparadies im Lago Maggiore spielt, versammelt die Autorin "möglichst skurrile" Gestalten - eine alternde verarmte Fürstin, einen Industriellen, diverse Sinnsucher und einen Psychiater, auf dessen Klientel zum Bedauern des Rezensenten allzu oft der Focus liegt. Der Leser brauche schon ein starkes Interesse für psychopathologische Zustände, um das Buch "zumindest mit thematischer" Neugier zu lesen. Auf "Atmosphäre" dürfe man dagegen in diesem Roman nicht hoffen; zu sehr verliere sich die Autorin in "Details", die die Handlung ins "Beliebige" zerrinnen ließen. Ein Buch, von dem sich der Kritiker mehr erhofft hätte, das sich aber nicht so recht "entfalten" mag. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.09.2004

Rezensent Friedmar Apel hatte keine Freude an diesem Roman. Die im Jahr 1929 angesiedelte Handlung ist ihm zu schwülstig. Es nerven ihn die mystifizierend verhedderten Handlungsfäden, die aus seiner Sicht "allzu offensichtlich" die überspannte Glückssuche der zwanziger Jahre in ihrer Irrationalität abbilden sollen. Auch den jovialen Ton der Autorin findet er eher unangenehm. Es geht, wie wir lesen, um eine Insel im Lago Maggiore, die von ihrer verarmten, adeligen Besitzerin an einen Hamburger Geschäftsmann verkauft werden muss. Zentrum des Romans ist ein Silvesterfest. Der Rezensent nun findet diesen Erzählraum so üppig ausgestattet und bevölkert, dass er bald die Lust verliert.
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