Die Gedichte der deutsch-jüdischen Schriftstellerin Lessie Sachs sind heute nahezu in Vergessenheit geraten. Ab 1930 veröffentlichte Lessie Sachs Gedichte und Kurzprosa in renommierten Zeitungen wie der Vossischen, dem Neuen Wiener Tagblatt und dem Simplicissimus. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten zerstörte ihre Hoffnungen auf eine Karriere als Schriftstellerin in Deutschland. 1937 emigrierte sie mit ihrem Mann, dem Pianisten und Komponisten Josef Wagner, und ihrer Tochter Dorothee nach Amerika, wo sie 1942 starb. Posthum veröffentlichte Wagner die "Tag- und Nachtgedichte" von Lessie Sachs 1944 mit einem Geleitwort von Heinrich Mann in den USA. Mit diesem Band erscheinen zahlreiche ihrer Gedichte und Prosatexte erstmals in Buchform.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.01.2020
Susanne Klingenstein empfiehlt die Gedichte von Lessie Sachs als "witzig-krosses Betthupferl". Wer sich darunter nichts Gutes vorstellen mag, den belehrt Klingenstein eines Besseren. Köstlich sind die Verse gerade vorm Schlafengehen, weil sie wie ein guter Freund wirken, der über alltägliche Enttäuschungen hinweghilft, schwört die Rezensentin. Dass die balsamische Leichtigkeit in den Texten Abgründe verbirgt, erfährt Klingenstein aus dem Nachwort der Ausgabe, das ihr die Lebensumstände der Autorin erschließt. Die Prosa im Band findet sie mal eindringlich, wenn Sachs von ihrer Verfolgung als KPD Mitglied berichtet, mal genau beobachtend und komisch,wenn Sachs ihre Eindrücke im New Yorker Exil schildert.
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