Herausgegeben von Anke Heimberg. Schon seit Generationen leben die protestantische Kaufmannsfamilie Dortenbach und die jüdische Fabrikantenfamilie Martell in der kleinen württembergischen Weinstadt. Fest und liebevoll verbunden fühlen sich Claudia Dortenbach und ihr Jugendfreund und späterer Ehemann, der Rechtsanwalt Dr. Helmuth Martell, daher Land und Leuten, Natur und Kultur ihrer schwäbischen Heimat. Familie, Kinder und Karriere laufen in den vorgezeichneten und gewünschten Bahnen: Die Martells fühlen sich sicher und zufrieden. Umso fassungsloser und anfangs wie betäubt erlebt Claudia Martell sodann das Erstarken und die Etablierung des Nationalsozialismus in der kleinen Stadt, die rasante Entfremdung und abrupte Abkehr von ihr einst vertrauten Menschen, langjährigen Freund:innen und Vereinskamerad:innen, ja engsten Familienmitgliedern unter dem wachsenden Einfluss der NS-Diktatur. Erst allmählich vermag sich die junge Frau aus ihrer inneren Lähmung zu lösen; entschlossen und mutig findet sie für sich und ihre bedrohte Familie, den Mann und ihre beiden Kinder, schließlich ihren Weg aus den radikal veränderten Verhältnissen eines ihr fremd gewordenen Landes.
Rezensent Christopher Hacker ist dankbar für die Wiederentdeckung der deutschen Exilschriftstellerin Victoria Wolff. Wolffs autobiografischer Roman von 1935 erzählt laut Hacker anhand einer deutsch-jüdischen Ehe eindringlich vom Einsickern der Nazi-Ideologie in eine deutsche Kleinstadt, von der zunehmenden Entrechtung der Juden, von den Fraternisierungsversuchen eines Teils der lokalen jüdischen Bevölkerung und von der Ghettoisierung. Auch wenn das glückliche Ende der Geschichte auf Hacker fast kitschig wirkt, findet er die Neuausgabe höchst verdienstvoll.
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