Der Nationalsozialismus war kaum vorbei, als Juristen begannen, sich der Grundlagen ihres Faches zu vergewissern. Dem "Positivismus" wurde die Schuld für die Verstrickung der eigenen Profession in den Nationalsozialismus gegeben, im Naturrecht die Chance gesehen, die Schatten der Vergangenheit hinter sich zu lassen. Lena Foljanty rekonstruiert die Naturrechtsbesinnung der ersten Nachkriegsjahre in ihrem zeithistorischen Kontext. Sie zeigt, wie sie für Juristen einen Rahmen darstellte, in welchem sie sich über ihr professionelles Selbstverständnis und ihre Rolle in der zukünftigen Gesellschaft verständigen konnten. Die Naturrechtsbesinnung entpuppt sich als Schlüssel für die rasche Rekonsolidierung des Faches. Es wird deutlich, dass in ihr Grundlagen gelegt wurden, die das bundesrepublikanische Rechtsdenken noch in den nächsten Jahrzehnten prägen sollten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.02.2014
Was es jenseits der Radbruchschen Formel mit der Naturrechtsrenaissance auf sich hat, lässt sich Michael Pawlik von der Juristin Lena Foljanty auseinandersetzen. Den Titel juristisches Buch des Jahres trägt die Dissertation laut Pawlik zu Recht. Vermag ihm die Autorin doch nicht nur die Irrtümer aufzuzeigen, die mit dem Begriff Naturrechtsrenaissance verbunden sind, sondern ebenso die Nachwirkungen dieser Zeitenwende im bundesdeutschen Rechtsdenken, in der Existenzphilosophie Heideggers wie in der Soziologie Arnold Gehlens und schließlich sogar in der Aufhebung der Dualität von Naturrecht und positivem Recht in der juristischen Methodenlehre.
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