"England und Amerika sind wie die DDR und die BRD", weiß Rico - nur, dass zwischen den deutschen Staaten eine Mauer sei, zwischen den anderen die Ostsee. Franzi ist von den einfachen Weltdeutungen des besserwisserischen Nachbarjungen ebenso begeistert wie vom real existierenden Sozialismus, dem sie in der Schule begegnet. Endlich etwas, was ihr Halt gibt, jenseits der ironischen Bemerkungen der Eltern, die einem doch nie alles erzählen, sich über ihre abendlichen Geheimtreffen in der Küche stets in Schweigen hüllen. Erzählen ist sowieso ein Problem. Wem darf man was sagen? Franzi und ihre Freunde verstehen es nicht, und so versuchen sie, von der Teppichstange eines Ostberliner Hinterhofs aus, die Welt auf ihre Weise zu erkunden. Doch dann fällt die Mauer, und alle Gewissheiten stürzen wie Kartenhäuser zusammen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2019
Wiebke Porombka sieht in der Wahl der kindlichen Perspektive in Lea Streisands Roman ein Problem. Wie eine ehrgeizige, "systemkonforme" Jungpionierin die Vorwendezeit erlebt, das liest sich für sie einerseits witzig. Andererseits muss sich die Autorin dümmer machen, als sie ist, gibt die Rezensentin zu bedenken. Solcherart gestellte Naivität hat ihre Grenzen, findet Porombka. Gut gefallen hat ihr dagegen die atmosphärisch genau, dabei nicht idealisierende Beschreibung einer Kindheit im Prenzlauer Berg.
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