Lars Gustafsson

Das Feuer und die Töchter

Gedichte
Cover: Das Feuer und die Töchter
Carl Hanser Verlag, München 2014
ISBN 9783446244733
Gebunden, 215 Seiten, 15,90 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen von Verena Reichel und Barbara M. Karlson. Als einen "gelassenen Zauberer des Alltags" hat ihn Heinrich Detering einmal bezeichnet. Und in der Tat wird in den Gedichten von Lars Gustafsson das Alltägliche besonders, das Unbelebte lebendig, das Abstrakte konkret: das Eisen verlangt danach, Rost zu werden, und die Bücher beginnen miteinander zu reden. Und ein Hobel kann sich erinnern: "Unter der Oberfläche der Dinge / verbirgt sich nichts anderes / als die Oberfläche der Dinge. / So lange wie etwas / von den Dingen übrig bleibt, / ist es Oberfläche. Nichts anderes." Der neue Band mit den besten Gedichten aus den letzten Jahren zeigt den zeitgenössischen Dichter aus Schweden auf der Höhe seiner Meisterschaft.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.03.2015

Begeistert verkündet Rezensent Wulf Segebrecht das Erscheinen eines neuen Gedichtbandes des schwedischen Autors Lars Gustafsson: In "Das Feuer und die Töchter" folgt er einmal mehr Gustafssons Kunst des Perspektivwechsels, etwa wenn das lyrische Ich plötzlich nicht mehr die Welt wahrnimmt, sondern von dieser wahrgenommen wird oder der Winterschnee selbst zur Sprache wird. Die erkenntnistheoretischen Aporien Gustafssons erscheinen dem Kritiker nie anstrengend, vielmehr kommen sie angenehm ironisch, humorvoll oder in "resignativer Grandezza" daher. Und so kann er die Lektüre dieser lyrischen Ausflüge in die nordische Tierwelt und Landschaft, in wissenschaftliche Theoreme oder gesellschaftliche Ereignisse nur unbedingt empfehlen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.11.2014

Als Einladung zu Vertiefung und Hingabe versteht Björn Hayer Lars Gustafssons Gedichte. "Ist der Winter nicht in Wirklichkeit Sprache?", fragt Gustafsson. Da kann der Rezensent nur zustimmen. Dass der Sommer Kindheit ist und ein Schraubenzieher, das Telefon und der Vogelsang Eingänge zu einer Welt der dauernd sich vervielfachenden Kontexte, macht der Autor ihm klar. Nur lesen muss Hayer selber. Dann gemahnt ihn das Geräusch einer Kaffeemaschine an die Vergänglichkeit. Keine Frage, die Stimmung, die dabei entsteht, ist melancholisch, nordisch melancholisch, wie Hayer betont, denn die Natur, die der Dichter gleichfalls vor den Augen des Rezensenten entfaltet, liegt in Schweden. Der Ton der Texte, erklärt Hayer, ist klar und ruhig.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.10.2014

Lars Gustafsson ist für Nico Bleutge dann am besten, wenn er skeptisch andeutet, dichterisch, rhythmisch einer Spur, einem Etwas nachgehend, das sich sachte in den Verszeilen verliert. Das kommt in diesem Band vor. Allerdings begegnet der Rezensent in diesen Gedichten auch profaneren Kommentaren und Formulierungen, bekannteren Bildern. Die für Bleutge unbestrittene Kunstfertigkeit des Autors aber liegt im Unerwähnten, bloß Umspielten und Atmosphärischen, wenn die Poesie die Fäden zwischen Wort und Bedeutung auflöst und etwas Neues erschließt, so wie in einem der Texte des Bandes die Verbindung zwischen Brotduft und Schmiedehammer.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 01.10.2014

Lars Gustafssons Gedichte zerren an den "Wurzeln der Leserseele", warnt Rezensentin Iris Radisch. Dabei wirken die vielen Naturmotive in "Das Feuer und die Töchter" zunächst ganz beschaulich, findet die Rezensentin. Doch Gustafsson lässt sich aus dem beruhigten Vorverständnis der Welt herausfallen und nimmt sie mit beängstigender Distanz wieder in den Blick, erklärt Radisch. "Das meiste, das mit den Dingen geschieht, / hat überhaupt nichts mit ihnen zu tun.", zitiert die Rezensentin. Die Ahnung vom "'dumpfen Orgelpunkt' des Daseins" vor der Sprache wird in der "Fruchtwasserblase des Gedichts" erfahrbar, so Radisch, die gerade in der traurigen Dimension von Gustafsson Gedichten eine philosophische Qualität entdeckt.