Aus dem Englischen und Französischen von Cornelia Holfelder-von der Tann. Sie wollte nur ihre erwachsenen Kinder in Seoul besuchen. Aber als sie mit ihrem Mann am Hauptbahnhof in die überfüllte U-Bahn steigen will, passiert es: Mutter geht in der Menschenmenge verloren. Ein anrührender, ganz und gar ungewöhnlicher Roman über Mütter und Kinder, über die Verwerfungen zwischen den Generationen und über die alles überbrückende Kraft der Liebe.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.04.2013
Recht unentschlossen wirkt Katharina Borchardt nach der Lektüre dieses Romans über eine Familie, der die Mutter im Großstadtgewühl abhanden kommt und die darüber feststellt, wie wenig sie diese gekannt und wie sehr sie sich auf sie verlassen hat. Zumindest letzteren Aspekt findet die Rezensentin durchaus "feinfühlig" beschrieben. Auf der anderen Seite aber ist ihr kein Grund für die wechselnden Erzählperspektiven ersichtig und auch Kyung Sook Shins Neigung zu kitschigen Szenen stößt ihr gelegentlich etwas auf. Richtig böse ist sie aber dem Verlag, der hier die Übersetzung einer Übersetzung vorlegt, der es, wie die Rezensentin mutmaßt, wohl schon deshalb an sprachlicher Präzision mangele. Dass zudem offenbar weder Übersetzerin noch Lektorat über Kenntnisse der koreanischen Kultur verfügen, setzt dem ganzen noch die Krone auf, meint die Rezensentin: "Eine Schande".
Sehr gepackt wurde Rezensentin Daniela Zinser von diesem in "einfacher, eindringlicher Sprache" verfassten Roman (ein prämierter Bestseller in Korea, wie die Rezensentin anmerkt) über eine Mutter, die verschwindet, und eine zurückgelassene Familie, die sie im folgenden sucht. Dabei erfährt Zinser nicht nur viel über die koreanische Kultur, sondern wird auch von ihrem eigenen Gewissen gepackt: Während sie noch in lakonischer Verknappung über die Verästelungen dieser "meisterlichen" Geschichte nachdenkt, fällt ihr ein, dass sie ihre eigene Mutter auch mal wieder anrufen könnte.
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