Klaus Schönberger (Hg.)

Va Banque

Bankraub - Theorie, Praxis, Geschichte
Libertäre Assoziation und Co. Verlag, Berlin/Hamburg 2000
ISBN 9783922611837
Taschenbuch, 280 Seiten, 17,38 EUR

Klappentext

Dieses Buch unternimmt volkskundliche, kriminologische, historische, literaturwissenschaftliche und soziologische Ausflüge in die vielschichtige und faszinierende Welt des Bankraubs. Der Sammelband sucht nach Antworten auf Fragen wie: Wer sind die Bankräuber in Vergangenheit und Gegenwart? Es werden politisch motivierte Banküberfälle ebenso vorgestellt, wie ein Blick auf verzweifelte Einzeltäter geworfen, die versuchen ihre Probleme durch den Coup ihres Lebens mit einem Schlag zu lösen. Beiträge zur Trachtenkunde des Bankraubs (`Pret a voler`) gehören ebenso dazu, wie ästhetische Überlegungen und materialistische Analysen zur Architektur des Bankgebäudes oder der Beschaffenheit von Fluchtfahrzeugen. Exakte Kenntnisse über die Entwicklung des Tresorwesens und der Sicherungsvorkehrungen vervollständigen das Wissen über den Bankraub. Es werden regionale Traditionen (Osteuropa, Italien, Uruguay etc.) untersucht und ein Blick auf die Massenmedien fehlt ebenfalls nicht, die Bankräuber zu Popstars erküren und die erwischten Verlierer fallen lassen. Die Populärkultur (Film, Kriminalroman etc.) haben sich des Themas ebenso angenommen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.02.2001

Mit einer Kritik hält sich der Rezensent Michael Saager weitgehend zurück. Ausführlich referiert er darüber, was der Herausgeber und einige der 38 Autoren des Sammelbandes über das Phänomen des Bankraubs aus ethnologischer, kulturwissenschaftlicher, historischer, literaturwissenschaftlicher und sozialwissenschaftlicher Sicht zusammengetragen haben. Interessant findet Saager, dass der Bankraub, bisher fast nur kriminologisch betrachtet, hier unter dem Blickwinkel anderer wissenschaftlicher Disziplinen untersucht wird. Kritik übt der Rezensent am unterschiedlichen Niveau der Texte. Die Grundtendenz sämtlicher Autoren, den Bankraub frei nach Brecht - "Was ist schon ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?" - sympathischer zu finden als die Bank selbst, erregt beim Rezensenten keinen Unmut. Im Gegenteil. Die moralische Indifferenz der Autoren ist erfrischend, findet Saager.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.01.2001

Ein großes Lesevergnügen ist das von Klaus Schönberger herausgegebene Buch nach Meinung von Rudolf Walther allemal. Ungetrübt von moralischen oder juristischen Vorurteilen gegenüber dem Thema Bankraub nähern sich die Autoren aus verschiedenen geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen auf erfrischende Weise dem Thema, findet der Rezensent. Neben zahlreichen "prägnanten Porträts" von Bankräubern biete das Buch auch einen "aufschlussreichen" Rückblick auf die Geschichte des Bankraubs. Bleibt nur zu hoffen, dass die ungetrübte Begeisterung des Rezensenten für diese nach seiner Aussage sozialwissenschaftlich fundierte, "selbstironische", in jedem Fall "verdienstvolle" Arbeit rein wissenschaftlicher Natur bleibt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.11.2000

Wolf-Dieter Vogel hat bei der Lektüre dieses Buchs offenbar einiges gelernt: zum Beispiel dass vor dem ersten Weltkrieg das Gangstertum eine "Blütezeit" erlebte, weil die Ganoven mit den neuesten und schnellsten Autos ausgerüstet waren: Die Bonnot-Bande etwa entfloh jeder Polizeistreife mit ihrem "Delauney-Belleville, Baujahr 1910". So teure Fahrzeuge konnte sich die französische Polizei nicht leisten, die 1911 über ganze vier Autos verfügte. Vogel lobt den "angenehm unaufgeregten Ton" der 39 Autoren und Autorinnen dieses Bandes, macht jedoch einen leichten Hang zur Sozialromantik aus: Ob es um die "Pfälzer Kimmel-Bande, den Franzosen Jacques Mesrine oder Disneys Panzerknacker" geht, immer schimmere "die hoffnungsvolle Suche nach dem linken Sozialrebell" durch. Dennoch beleuchtet das Buch aus moderne Seiten des Bankraubs, wie Vogel berichtet. Ein Kapitel ist dem Bankraub per Computer gewidmet, der sehr viel lukrativer ist, als die herkömmliche Methode. Vogel zitiert aus dem Buch, wonach ein Computerganove im Schnitt 2 Millionen Dollar erbeutet, ein traditioneller Bankräuber dagegen nur 14.000.
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