Klaus J. Bade

Europa in Bewegung

Migration vom späten 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart
C. H. Beck Verlag, München 2000
ISBN 9783406467202
Gebunden, 510 Seiten, 30,12 EUR

Klappentext

Klaus J. Bades Buch überblickt die europäische Wanderungsgeschichte vom Ende des 18. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Das Buch zeigt Vielfalt, Unterschiede und Gemeinsamkeiten des Wanderungsgeschehens in, aus und nach Europa. Arbeitswanderungen und Wanderhandel im Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft, Unternehmerreisen, Ausbildungswanderungen und Industriespionage, überseeische Arbeitswanderungen, koloniale Siedlungswanderungen und der europäische Massenexodus in die Neue Welt des 19. und frühen 20. Jahrhunderts werden ebenso behandelt wie die Massenzwangswanderungen in den beiden Weltkriegen und danach, die Wanderungen der "Gastarbeiter" in Europa, Minderheitenwanderungen, neue Vertreibungen und "ethnische Säuberungen" im weiteren Verlauf des "Jahrhunderts der Flüchtlinge", das über die Jahrtausendgrenze hinweg andauert. Am Ende steht die Auseinandersetzung mit dem neuen Feindbild der "illegalen Einwanderung" und mit dem organisierten Menschenschmuggel zwischen Migrationshilfe und organisiertem Verbrechen als Kehrseite der Abgrenzung der "Festung Europa" gegen unerwünschte Zuwanderungen von außen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.01.2001

Der Vorbereitung des Einwanderungsgesetzes durch die rot-grüne Regierung und ganz allgemein dem Gang Deutschlands nach Europa könne dieses Buch als Begleitlektüre dienen, meint Eberhard Seidel. Als "historische Erzählung", wie der Rezensent die Abhandlung mit Hinweis auf ihre gute Lesbarkeit nennt, als epochen-, formen- und länderübergreifende Geschichte der Migration, fülle das Buch eine Lücke. Einen Schwerpunkt der Studie erkennt er in der Fokussierung der Nachkriegszeit und der Probleme am Ende des 20. Jahrhunderts, die These Bades in der Unterscheidung der ungehinderten proletarischen Massenwanderungen des 19. von den politisch reglementierten und begrenzten Wanderungsbewegungen im 20. Jahrhundert - ein Fazit der Arbeit schließlich in der Feststellung, dass Deutschland mitnichten der Nabel der Welt sei.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.12.2000

Dieter Oberndörfer redet nicht lange um den heißen Brei: "Als Migrationsgeschichte ein Standardwerk" ist dieses Buch, findet er, zumal der Autor hier auch "aktuelle Bezüge" herstellt. Auch ist Bode nach Oberndörfers Ansicht das Kunststück gelungen, einerseits eine wissenschaftlich fundierte Analyse vorzulegen, gleichzeitig jedoch so anschaulich zu schreiben, dass auch Laien dieses Buch mit Gewinn lesen können. Neben vielen anderen Aspekten lobt der Rezensent, dass in diesem Buch deutlich wird, dass die heutigen Migrationsbewegungen keineswegs eine "historische Ausnahmesituation" darstellen (wie es so oft gesehen wird). Bode zeige deutlich die Vielfalt der Wanderungsbewegungen vergangener und heutiger Zeiten auf, wobei er die Politik ebenso beleuchtet wie "Wunsch- und Bedrohungsvorstellungen", die Probleme der Migranten oder auch Themen wie Industriespionage und "ethnische Säuberungen". Typisch für Bade findet der Rezensent auch dessen deutliche Worte an Politiker, die er zu einem stärker "supranationalem" Denken auffordert und denen er vorwirft, sich lediglich mit der Abwehr von Migranten zu beschäftigen, anstatt Anstrengungen zur Ursachenbekämpfung in den Herkunftsländern zu unternehmen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.12.2000

Als eine Gesamtdarstellung der Migration in Europa seit dem 18.Jahrhundert beschreibt Jürgen Schmidt diesen Band - allerdings merkt er an, dass sie eher von sehr hoher, strukturgeschichtlicher Warte aus geschrieben ist und sich keine Zeit nimmt, "auf die Schicksale zu blicken, die sich hinter den Wanderungsexistenzen verbargen". Immerhin aber erfährt man wohl eine Menge über die Motive von Wanderungen in der europäischen Geschichte, die von einer Bereicherung der Ausbildung bis hin zur Flucht vor "ethischen Säuberungen " reichen konnten. Am Ende, so konstatiert Schmidt, ist Bades Buch auch eminent politisch, wenn es die heutige Abschottung Europas gegen die "Dritte Welt" geißelt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.12.2000

Edgar Wolfrum ist sehr angetan davon, wie Klaus J. Bade "Anlässe und Motive von Migration", aber auch Aufnahmebedingungen für Immigranten in der Geschichte untersucht. Europa war immer ein Kontinent in Bewegung, erst der Kalte Krieg machte dem vorübergehend ein Ende. Bade lässt es aber auch nicht an deutlichen Worten zur gegenwärtigen Situation fehlen: Gegen eine europäische Festungsmentalität führt er ins Feld, dass die größten Wanderungsbewegungen der letzten Jahre nur zu 5 Prozent Europa betrafen. Eine wichtiges Buch für die aktuelle Diskussion, findet Wolfrum.
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