Klaus Dörner

Der gute Arzt

Lehrbuch der ärztlichen Grundhaltung
Schattauer Verlagsgesellschaft, Stuttgart - New York 2001
ISBN 9783794520503
Gebunden, 334 Seiten, 35,28 EUR

Klappentext

Welcher Arzt will nicht ein "guter Arzt" sein? Denken und Handeln jedes Arztes sind darauf ausgerichtet und von einer unausgesprochenen Grundhaltung geprägt. Das Bestreben, ein guter Arzt zu sein, kann man nicht lehren, es hat aber bessere Chancen auf Verwirklichung, wenn man es sich bewusst macht, wenn man es erfahrungswissenschaftlich umschreibt und in seinen Perspektiven und Zusammenhängen entfaltet. In diesem Sinne will das Buch ein Lehrbuch eine Hilfe zum praktischen ärztlichen Handeln sein, wohl erstmals übrigens mit Hilfe der Philosophie von Emmanuel Levinas.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.11.2001

Ein gutes Buch zu einem guten Thema, meint Robert Jütte, aber man sollte sich den "guten Arzt" nicht als leichte Hausmannskost vorstellen. Vom angehenden Arzt werde verlangt, den Philosophen Levinas zu lesen oder den amerikanischen Kulturanthropologen Geertz. Jütte erläutert das Dörnersche Modell einer "Beziehungsmedizin", die sich vom anderen, vom Patienten her definiere. Hinzu kommt, dass die Angehörigen konsequent in die Behandlung mit einbezogen werden sollten. Ein trialogisches Modell. Es heißt, der Autor kommt von der Psychiatrie her, wo er als Leiter eines Landeskrankenhauses mit dem Modell der Angehörigengruppe gute Erfahrungen gesammelt hat, berichtet Jütte. Dieses Modell empfiehlt der Autor als allgemeines und übertragbares Modell der Gesundheitsversorgung, nur dass dieser Haltung verschiedentlich Grenzen durch die Strukturen unseres Gesundheitswesens gesetzt werden, wie Jütte zu bedenken gibt. Er lässt offen, inwiefern sich der Autor diesen Bedenken durch Diskussion stellt.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 31.05.2001

Der gute Arzt ist für den Hamburger Psychiatriereformer Klaus Dörner nicht einer, der möglichst effizient mit einer wohlkalkulierten Kosten-Nutzen-Rechnung die Patienten durch sein Behandlungszimmer schleust. Der gute Arzt ist einer, berichtet Christiane Grefe, der sich auf die Schwächsten unter den Patienten konzentriert, einer, der sich das Leiden seiner Patienten und auch das der Angehörigen voller Empathie zu eigen macht. Dörners Ausführungen provozieren - aber fruchtbar, meint die Rezensentin. Denn die medizinische Praxis ist weit davon entfernt, Dörners Ideal zu entsprechen. Auch wenn Grefe manche Passagen des Buches "verplaudert" erscheinen, hält sie den Ratgeber doch für eine "unendlich wichtige Lektüre" für Medizinstudenten und Ärzte, die dazu bereit sind, sich auch mal selbst zu kritisieren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.03.2001

Das wird vielen "Halbgöttern in Weiß" nicht schmecken. Nicht der Arzt steht für Klaus Dörner im Mittelpunkt, sondern der Patient, berichtet Christian Mürner. Ein guter Arzt ist einer, der zuhört und den Patienten während seiner Krankheit begleitet. Nicht nur medizinisch-technisch, sondern vor allem in seiner Not und in seinem Ausgeliefertsein. Der Rezensent schätzt den Autor als Psychiater, Historiker, Soziologen und Philosophen. Das neue Lehrbuch des Pioniers gemeindepsychiatrischer Einrichtungen ist daher nicht nur an Ärzte, sondern auch an Philosophen, Sozialarbeiter, Pfleger und Schwestern gerichtet. Der medizinethische Ansatz Dörners findet Mürners Zustimmung. Denn er gehe weit über Bioethik und Biomedizin hinaus und ergänze technische um beziehungsbestimmte Aspekte, freut sich der Rezensent.