Khushwant Singh

Der Zug nach Pakistan

Roman
Cover: Der Zug nach Pakistan
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783458174004
Gebunden, 235 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen und mit Anmerkungen von Axel Monte. Noch ist die Idylle in dem Dorf Mano Majra nahe der Grenze vollkommen. Muslime, Hindus und Sikhs leben hier friedlich miteinander, die Bewohner haben ihren Alltag auf die vorbeifahrenden Züge abgestimmt. Für Aufregung sorgt nur hin und wieder Jaggat, der Dorfganove. Die Männer haben Respekt vor ihm, schon wegen seiner Statur, über die sie ehrfürchtig sprechen. Jaggat kommt immer wieder ins Gefängnis, sein Vater und sein Großvater wurden als Kriminelle sogar gehängt. Obwohl er selbst der Sikhreligion angehört, hat er eine heimliche Liebschaft mit einem muslimischen Mädchen. Eines Tages hält zu einer ungewöhnlichen Zeit ein Zug in Mano Majra. Etwas Unheilvolles, etwas Gespenstisches geht von ihm aus: Der Zug ist voll mit Leichen ermordeter Sikhs. Das Grauen hat auch Mano Majra erreicht, jetzt zählt auch hier nur noch, wer welcher Religion angehört.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.09.2008

Sehr gefreut hat sich Rezensentin Claudia Wenner über diese, ihrer Meinung nach längst fällige, Neuübersetzung des Klassikers "Train to Pakistan" von Khushwant Singh. Sie schreibt vor allem über die Stärken des Romans, der für sie ein meisterhafter Beitrag zur Auseinandersetzung um die Teilung British-Indiens darstellt. Khushwant erzähle von der "Logik des Wahnsinns", die das folgenschwere politische Ereignis in einem kleinen Dorf an der pakistanischen Grenze auslöst. Der Mordfall an einem Hindu dient als Ausgangspunkt der Handlung, die sich dann überschlage, während Khushwant spannungsvoll die Psychologie der Dorfbewohner sowie die Unberechenbarkeit äußerer Einflüsse aufs Korn nehme. Im größeren Sinne sei das Buch Ausdruck des kollektiven Traumas von Indern und Pakistanis.  Khsuhwant, so Wenner, erzählt eindringlich und vermittelt genau die Feinheiten, die "sich durch Fotos nicht verstehen ließen." Deshalb lobt Wenner auch die Entscheidung des Verlags, die deutsche Ausgabe, anders als die indische, ohne dokumentarische Fotos des Massenexodus herauszugeben. Das Grauen der Bilder wäre zuviel gewesen, der Roman braucht den Platz, um sich entfalten zu können, meint Wenner. Zufrieden ist sie auch mit der deutschen Übersetzung Axel Montes, die "kenntnisreicher" sei als die schon längst vergriffene von 1957.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.07.2008

Mit einer ganzen Menge historisch-länderkundlichem Kannitverstan sieht sich Burkhard Müller beim Einstieg in die Lektüre dieses erstmals 1957 erschienenen Romans konfrontiert. Zwar gebe es viele, sehr viele Fußnoten, die manches Detail und manchen Hindi-Ausdruck erläutern. Hilfreich freilich, findet Müller, wenn nicht notwendig, wären eine Einführung und/oder ein Nachwort gewesen. Er hat sich dann aber doch hineingewühlt in diese Geschichte eines Dorfes an der indisch-pakistanischen Grenze, in dem sich die große Trennungsgeschichte spiegelt. Oder auch nicht: denn die Dorfbewohner unterschiedlicher Religion leben lange schon als friedliche Nachbarn und wollen sich dem um sie tobenden Morden nicht recht anschließen. Wie es dann doch dazu kommt, beinahe jedenfalls, schildert Singhs Roman, den Müller, je länger er dauert, mit wachsender Spannung gelesen hat.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.06.2008

Martin Kämpchen freut sich, diesen Klassiker der indischen Partition Literature endlich auf Deutsch in Händen zu halten. Erstmals 1956 erschienen, stellt Khushwant Singhs Buch für ihn ein handwerklich geschickt arrangiertes soziales und politisches Sittengemälde des Jahres 1947 in Indien dar. Straff erzählt, biete Singh authentische Elemente und die ganze Vielfalt des Personals vom Idealisten bis zum Proletarier. Dass es sich bei dem Buch nicht um den großen Wurf handelt, räumt Kämpchen allerdings auch ein. Zu wenig Glaubwürdigkeit, zu wenig Interesse an Einzelschicksalen. Einem aufrüttelnden Lektüreerlebnis inklusive Schaudern angesichts der von Singh konservierten Blüten der Gewalt, so gibt der Rezensent zu verstehen, steht das jedoch nicht im Weg.
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