Katja Oskamp

Hellersdorfer Perle

Roman
Cover: Hellersdorfer Perle
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2010
ISBN 9783821861104
Gebunden, 218 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Die Frau, Mitte dreißig, führt ein standesgemäßes Berliner Leben: Der Freund ist Theaterkritiker, die kleine Tochter wird geliebt, alles ist geregelt und gut. Bis die Frau aus einem spontanen Fluchtimpuls heraus ihre Sachen packt und in eine Straßenbahn steigt. An der Endhaltestelle, am äußersten Rand der Stadt, betritt sie eine zwielichtige Kneipe, die Hellersdorfer Perle. Am Tresen sitzt ein Mann mit Stock, der vom ersten Augenblick an eine unerklärliche Anziehung auf die Frau ausübt. Sie wechseln einige Worte, messen ihre Kräfte, und er verlangt von ihr, sie solle am nächsten Abend wiederkommen, im Rock. Die Frau wird neugierig - und zu ihrer eigenen Überraschung tut sie, was der Mann verlangt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.07.2010

So sind sie, die Berliner Frauen aus Mitte und dem Prenzlauer Berg: von ihrem etablierten Leben ohne Probleme so gelangweilt, dass sie danach schreien, von einem richtigen Kerl mit groben Händen gepackt und unterworfen zu werden. Rezensentin Sibylle Birrer begegnet in der "Hellersdorfer Perle" nicht zum ersten Mal einem solchen Exemplar. Auch in Katja Oskamps Vorgängerroman "Staubfängerin" entfloh eine Regieassistentin ihrem Stardirigentin in die Arme eines Fensterputzers. Nun also eine namenlose, aber sehr trendige Protagonistin, die sich an einen SM-Greis mit Hörgerät im Ost-Berliner Plattenbau verliert. Birrer hat in dieser Geschichte mehr von einem "pornografisch aufgemotzten Groschenroman" als von einem - wohl beabsichtigten - "coolen Großstadtroman" gefunden. Oskamp verheddere sich in Klischees und Kolportagen und überdrehe die Aufregung, bis sich schließlich nur noch Langeweile einstelle. Ganz verreißen mag Birrer das Buch aber nicht, was vielleicht an dem Sinn für Komik liegt, den die Rezensentin der Autorin zugute hält.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.05.2010

Perlen vor die Säue!, schreit der Rezensent. Leicht fassungslos sieht Martin Halter zu, wie Katja Oskamp ihre Erzählkunst, ihren Witz in einer klischeebeladenen Schmierenkomödie aus dem Hellersdorfer Eckkneipenmilieu verschleudert. Immerhin hat Halter den passenden Genre-Begriff parat. Und als ostalgischer Groschenroman funktioniert das Buch auch ganz gut, wie wir von Halter erfahren. Wenn die aus früheren Romanen der Autorin bekannte Heldin mit DDR-Biografie die Berliner Kulturschickeria hinter sich lässt, um als SM-Sklavin im Plattenbaukeller den Sex ihres Lebens zu haben, so scheint es, kann Halter auf sprachliche Subtilität und psychologische Delikatesse auch mal verzichten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.04.2010

Rezensentin Anja Hirsch hat sich offenbar glänzend amüsiert mit diesem "prallen, derben Stück Prosa übers Auskosten und Abschweifen", auch wenn sie sich manchmal nicht ganz sicher ist, wie viel Satire in dem Roman steckt. Aber sehr gekonnt lasse Katja Oskamp in ihrer Erzählung über eine Frau, die sich aus ihrer Berliner Bürgerlichkeit ins wilde Hellersdorf begibt, einfließen, was sie als Dramaturgin gelernt hat. Hirsch attestiert ihr gutes Timing und bei allem gewitzten Erzählen genau zu wissen, "wovon sie besser schweigt". Da nimmt Hirsch auch einige Schwächen des Romans in Kauf: das allzu ideale Ende etwa oder auch die Überfrachtung der Geschichte mit "stark typisierenden" Attributen.

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