Endlich echte Schweizerin werden - das ist der größte Wunsch der namenlosen Ich-Erzählerin mit ungarischen Wurzeln. Doch die familiären Bande sind so eng wie das Arbeiterhaus, in dem sie sich mit ihrer älteren Schwester und dem Großvater das Zimmer teilen muss. Nach dessen Tod driftet die Familie zusehends auseinander, und die ältere Schwester bricht aus - sie ist kaum noch zu Hause, stürzt sich in die Jugendunruhen, die Anfang der 80er-Jahre das konservative Zürich aufmischen. Für die Jüngere ist klar: Nur eine von ihnen darf rebellieren. Doch als ihre Schwester eines Tages ganz verschwindet, begibt sie sich auf deren Spuren. Und das bleibt nicht ohne Konsequenzen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 08.09.2025
Rezensentin Lara Sielmann folgt gerne der Ich-Erzählerin aus dem Roman der ungarisch-Schweizer Autorin Katinka Ruffieux. Diese namenlose Protagonistin wohnt mit ihrer langsam auseinanderbrechenden, aus Ungarn geflüchteten Familie in Zürich. Es sind die 1980er Jahre, die Familie wohnt im "Fischbauch", einer dunklen, kleinen Wohnung, und erlebt Schikane von Behörden. Man versucht das beste aus der Situation zu machen, doch als der Großvater stirbt, geht der familiäre Zusammenhalt vollends verloren. Heimatlosigkeit, eine problematische Kindheit, und psychische Belastungen, spielen hier eine Rolle, so Sielman. Allerdings verweilt ihr die Autorin zu lange bei der kindlichen Sicht, gerne hätte die Kritikerin früher etwas über den politischen Kontext der Schweiz in dieser Zeit erfahren, auch hier lag "Rebellion in der Luft". Sprachlich ist das alles aber sehr überzeugend, Sielmann ist jedenfalls gespannt, mehr von dieser Autorin zu lesen.
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