Wie die Ideologie der Achtsamkeit gesellschaftlichen Wandel blockiert
Carl Hanser Verlag, München 2026
ISBN
9783446285705 Gebunden, 256 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Meditation, Journaling, Atemübungen - immer mehr Menschen nutzen Achtsamkeitspraktiken als Zuflucht vor den Krisen unserer Zeit. Doch statt zu mehr Ruhe und innerer Stärke zu führen, treiben diese Techniken nicht selten noch tiefer hinein in das Hamsterrad aus Selbstoptimierung und Erschöpfung. Achtsamkeit ist längst nicht mehr bloß eine persönliche Praxis, sondern hat sich zur Ideologie entwickelt, die gesellschaftliche Missstände individualisiert, negative Gefühle als unzulässig darstellt und die Gesellschaft weiter spaltet. Scharfsinnig seziert Kathrin Fischer in ihrem augenöffnenden Buch den Achtsamkeitstrend und plädiert dafür, sich nicht länger ins Private zurückzuziehen, sondern gemeinsam eine gerechtere Zukunft zu gestalten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.05.2026
Ein starkes Buch über Achtsamkeit hat Kathrin Fischer laut Rezensent Joseph Hanimann geschrieben. Und zwar nicht zuletzt deshalb, weil die Autorin nicht von außen und abschätzig aufs Thema blickt, sondern als eine, die den Versprechen eines besseren Lebens durch Selbsttechniken grundsätzlich einiges abgewinnen kann - aber dann in der Praxiserfahrung oft enttäuscht wird. Eben um diese Diskrepanz geht es und Fischer führt sie darauf zurück, dass in der Rede von Achtsamkeit gesellschaftliche Fragen oftmals privatisiert werden. Anstatt die Gesellschaft zu verändern, wird das Selbst optimiert, wobei sogar beim Meditieren die Konkurrenz zu anderen nicht ausgeschaltet wird. Hanimann kann mit diesen Überlegungen viel anfangen, wobei er anmerkt, dass sich Fischer teils etwas zu sehr in Sekundärliteratur - von Bourdieu bis Althusser - verliert. Ein anderer Autor hingegen kommt zu kurz, findet der Rezensent, nämlich Michel Foucault, der aufgezeigt hat, wie komplex das Innere, Psychische und das Äußere, Gesellschaftliche miteinander zusammenhängen. Auch wenn Fischer in dieser Hinsicht hier und da zu schematisch denkt, ist ihr Buch, so das Fazit, ein kluger Beitrag zu einem wichtigen Themenkomplex.
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