Anhand vieler Beispiele zeigt der Autor, wie lebendig das lateinische Erbe in der deutschen Sprache ist - in Medizin, Naturwissenschaft und Philosophie, aber auch im Alltagsdeutsch. Geld stinkt nicht, die Daumen drücken, vor Neid platzen, lachende Erben - deutsche Redewendungen entstanden vor 2000 Jahren, als noch kein Mensch Deutsch sprach. Aber das Lateinische ist nicht nur in unserer Sprache quicklebendig, sondern hilft sie auch zu verstehen. Anders formuliert: Wer kein Latein kann, den bestraft das Deutsche. Denn warum ist ein Konfirmand kein Konfirmant? Was unterscheidet den Simulanten vom Simulator? Was haben alle deutschen Verben gemein, die auf -ieren enden? Ob Bits und Bytes - (fast alle) lateinischen Wortwege führen in die moderne Welt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.09.2006
Karl-Wilhelm Weebers Streifzug durch die lateinischen Spuren in der Gegenwartssprache überzeugt Klaus Bartels durch Vielfalt und hohen Unterhaltungswert. Wenn Weeber seine Funde nicht so witzig darbieten würde, könnte sich der Leser durch die vielen Sprachbeispiele vielleicht überfordert fühlen, so der Rezensent, der nur der überbordende Humor der Ausführungen manchmal zu viel wird. Insgesamt aber folge der Autor geradezu mustergültig den Ratschlägen Ciceros, der einst dem Rhetoriker empfahl, seine Zuhörer nicht nur zu belehren, sondern sie zu würdigen, indem er sie dabei auch unterhalte. Bartels fühlt sich wunderbar unterhalten und somit auch gebührend "geehrt".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2006
Uwe Walter quält sich regelrecht, diesem Buch, das die lexikalischen und kulturgeschichtlichen Zusammenhänge unseres Alltagslateins erforscht, etwas Positives abzugewinnen. Allzu gern möchte er den Fleiß und das redliche Bemühen des humanistisch gebildeten Autors honorieren. Doch es gelingt ihm nicht so recht. Zu altbacken der Witz, zu wenig satirisch der Aktualitätsbezug Karl-Wilhelm Weebers. Dabei ist der Band vollgepackt mit Wortbeispielen, die den Bezug des Deutschen zum Latein herstellen, dabei findet der Rezensent auch den Ansatz, das "utilitaristische Bildungspontenzial" des Lateinischen gegen den Bildungsverlust ins Feld zu führen, sinnvoll. Leichtfertiges Anbiedern an die fast verlorene Klientel der Jugend und ihrer "türkdeutschen Schwundsprache" aber hält Walter für falsch: Latein sei nunmal schwer und "positiv diskriminierend".
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