Mit Illustrationen von Wolf Erlbruch. Der Klassiker unter den alten ABC-Büchern, neu interpretiert: Wolf Erlbruch hat aus Karl Philipp Moritz` empfindsamem Buchstabier-Buch von 1790 ein verspieltes Denk-, Guck- und Phantasierbuch für große und kleine Menschen gemacht. Für alle, die gerne fragen und Antworten eher langweilig finden, und für alle, die für "Sofies Welt" noch zu jung oder schon zu alt sind.
Elke Schmitter ruft in ihrer Rezension zunächst das kurze und ungewöhnliche Leben des Karl Philipp Moritz in Erinnerung, geht aber auf den Text des Buches anschließend kaum ein. Da, wo sie es tut, äußert sie sich jedoch durchaus lobend. "Klug", so findet sie, ist Moritz vorgegangen bei seinen Erläuterungen von abstrakten bis alltäglichen Dingen. Man könne in dem Band die "deutsche Aufklärung in ihren klarsten und schönsten Worten lesen", findet sie. Wirkliche Begeisterung spricht aus ihren Zeilen aber erst da, wo sie Wolf Erlbruchs Illustrationen beschreibt. Der Facettenreichtum der verschiedenen Stile und Techniken, seine Fantasie, seine "weite" Auffassung machten die geradezu "kongeniale" Bebilderung aus. Übrigens sei das Buch auch für Kinder geeignet, wie Schmitter abschließend anmerkt
In einer für ein Kinderbuch ungewöhnlich umfangreichen Rezension bespricht Benedikt Erenz das Buch, das er den Lesern kaum genug ans Herz legen kann. ?Hocherfreuliches, ergebnismäßig geradzu Hinreißendes? habe der Illustrator Wolfgang Erlbruch mit Moritz? Büchlein angestellt, gar eine ?völlige Neuschöpfung eines alten Textes mit grafischen Mitteln?. Als Beispiel dafür nennt er Erlbruchs Bild zu ?Pracht und Überfluss?, in dem er eine nach Torten gierende, glubschäugige Figur gezeichnet hat, die den Rezensenten an Grosz denken läßt. Ein ?gebildeter Mensch? hingegen ergötzt sich in einer anderen Zeichnung still an einem Schiffsuntergang. Den größten Gefallen findet Erenz jedoch an der Vielfalt der verwendeten grafischen Techniken. Zahlreiche Papierarten (von Lösch- über Rechenpapier bis hin zu alten Karten) werden hier mit verschiedensten Schriften bedruckt und bemalt. Die grafische Skala reiche von Scherenschnitten über verschiedene Stempelarten, Ölskizzen bis hin zu Kreidezeichnungen auf Tafeln. Dabei gibt es, so Erenz, unendlich viel zu entdecken. Das Buch wimmele von Anspielungen, Zitaten und witzigen Bezügen. Dass Erlbruch dabei in mancher Hinsicht einen Kontrast herstellt zu dem meist eher ernsten, mahnenden Moritz, erscheint dem Rezensenten keineswegs als Makel. Für ihn scheinen sich Moritz und Erlbruch eher auf hinreißende Art zu ergänzen.
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