Karl Ove Knausgard

Lieben

Roman
Cover: Lieben
Luchterhand Literaturverlag, München 2012
ISBN 9783630873701
Gebunden, 768 Seiten, 24,99 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Was bleibt von all der Romantik und Leidenschaft, wenn der Alltag Einzug hält ins Leben zweier moderner, auf Selbstverwirklichung bedachter Menschen mit kleinen Kindern? Anspruch und Wirklichkeit prallen aufeinander. Das tägliche Ringen um Freiräume, Lebensfreude und Zeit wird zum unauflösbaren Konflikt. Die eigene Identität muss mit Klauen verteidigt, die Liebe immer wieder neu gefunden werden. Ein Kraftakt, von dem Karl Ove Knausgard in seinem Roman "Lieben" voller Zärtlichkeit und mit entwaffnender Ehrlichkeit erzählt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.08.2012

Nach der Lektüre des 763 Seiten langen, zweiten Teils von Karl Ove Knausgards sechs Bände umfassenden, autobiografischen Romanprojekts "Min Kamp" belohnt sich Rezensent Ernst Osterkamp mit dem Versprechen, auf die noch folgenden vier Bände zu verzichten. Denn, auch wenn der Kritiker sehr dankbar ist, dass in der gelungenen deutschen Übersetzung von Paul Berf der norwegische Titel "Mein Kampf" mit "Lieben" ersetzt worden ist, reißt ihm schließlich der Geduldsfaden: Lesern, die gerne "Big Brother" schauen, kann Osterkamp das Buch durchaus empfehlen, alle anderen warnt er aber eindringlich vor den allzu ausführlichen Schilderungen des Autors über die Ehe mit Linda, dem alltäglichen Zusammenleben mit seinen Kindern Vanja, Heidi und John und den Versuch, das Leben als liebevoller Familienvater mit dem Schriftsteller-Dasein zu verbinden. Dennoch muss der Kritiker zugeben, dass es Knausgard, den er als Erzähler "irgendwie total süß" findet, gelingt, zwischen "todlangweiligen" Berichten von Kindergeburtstagen und verschwenderischen Gedanken über die Literatur und das Leben, durchaus "plastische und atmosphärisch dichte" Landschaftsdarstellungen und nächtliche Stadtbilder unterzubringen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.06.2012

Peter Urban-Halle hat nach dem ersten Band von Karl Ove Knausgards autobiografischem Riesenprojekts "Sterben" nun seinen zweiten Band "Lieben" gelesen und wirft sich als Verteidiger des norwegischen Autors gegen Vorwürfe der Banalität in den Ring. Auch dieser Band, der sich mit Knausgards Beziehung zu seiner Frau und seiner Tochter Vanja auseinandersetzt, gibt sich thematisch und zeitlich ungeordnet, mischt Erinnerungen mit Alltagsbeschreibungen und "klugen " Reflexionen zur Literatur oder zum Geschlechterverhältnis, so der Rezensent. Allerdings wird ihm bei der Lektüre klar, dass sich für Knausgard die Banalität des Lebens erst im Schreiben darüber in Sinn auflöst und in dieser Metamorphose sieht Urban-Halle auch den Wert von Knausgards autobiografischem Unterfangen, das im norwegischen Original bereits abgeschlossen vorliegt und als epochemachendes Werk gefeiert wird, wie er weiß. Als Motor dieses besessenen Schreibens erkennt der beeindruckte Rezensent "Wirklichkeitshunger", der sich erst durch die schreibende Aneignung seines Autors wirklich stillen lässt. Und Urban-Halle ist dann auch richtig mitgerissen von der "faszinierenden, berauschenden Lektüre", die zudem mitunter richtig komisch ist, wie er verspricht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.04.2012

Rezensent Jörg Magenau hat diesen Roman zwar ganz gern gelesen, doch scheint er ihn am Ende mit einem unangenehmen Völlegefühl aus der Hand gelegt zu haben. Die Aussicht, noch vier Romane in diesem auf 6 Teile geplanten Gesamtwerk zu lesen, stimmt ihn eher ängstlich. Worum geht's? Karl Ove Knausgard, der in seinem ersten Roman "Sterben" über den Tod seines Vaters geschrieben hat, erzählt jetzt in "Lieben" vom ganz normalen Familienalltag mit Frau und Kindern. Er schreibt als Karl Ove, der ein Tagebuch führt. Alles scheint authentisch zu sein, nichts erfunden, so Magenau, die ganze "spannungsarme Alltagsunendlichkeit" wird nacherzählt. Und doch, so der Rezensent, "das Ich, das da vor dem Leser mehr entsteht als entkleidet wird, ist selbst eine Fiktion". Es ist also Literatur und nicht bloß Verdoppelung. Behauptet Magenau.
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