Karl Ove Knausgard

Leben

Roman
Cover: Leben
Luchterhand Literaturverlag, München 2014
ISBN 9783630874135
Gebunden, 624 Seiten, 22,99 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Ulrich Sonnenberg. Es ist eine Zeit des Umbruchs und der Veränderungen. Das Abitur hat er in der Tasche, die Eltern haben sich getrennt, die Begegnungen mit dem Vater sind spannungsgeladen, die ersten Schritte hinein in ein selbstbestimmtes Leben begleitet von Alkoholräuschen, die der junge Karl Ove in seiner Not immer öfter sucht, weil er diese mit einem Gefühl von Freiheit verbindet, verheißen sie ihm doch Befreiung von all den Komplexen, Unsicherheiten und Nöten, die ihn plagen und noch lange Jahre plagen werden. Lebenslust sieht anders aus. Unschlüssig, was er mit seinem Leben beginnen soll, beschließt Knausgård ein Jahr als Aushilfslehrer an eine Dorfschule nach Nord-Norwegen zu gehen. Dabei wird er nicht nur mit Schülern konfrontiert, die ihn verständlicherweise als Autoritätsperson nicht ernstnehmen, sondern auch mit einer überwältigenden, für ihn ebenso neuen wie faszinierenden Natur. Bald bildet sich ein Lebensmuster heraus. Den Job erledigt er mit möglichst wenig Aufwand, danach versucht er sich mittels Schreibversuchen an der Etablierung einer Autorenidentität. An den Wochenende wird hemmungslos getrunken, wobei die älteren Kollegen keinerlei Versuche machen, ihren jugendlichen Aushilfslehrer zu mäßigen. Statt dessen trinken sie mit. Am Ende des Jahres steht die Rückkehr in südlichere Regionen an und die Aufnahme an der neu gegründeten Akademie für Schreibkunst in Bergen ... Was war das für ein Jahr? Und inwiefern ist es exemplarisch für andere Anfänge? Für unseren Start ins Erwachsenenleben? Wer Knausgård liest, wird schnell gefangengenommen von eigenen Erinnerungen, die Fragen aufwerfen, die weit über eine gewöhnliche Lektüre hinausgehe

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.07.2014

Den vierten Teil dieses "Meilensteins der Literatur" hat Peter Urban-Halle wiederum verschlungen, ohne eine Seite auszulassen. Warum? Weil alles dazugehört, wie er schreibt, die Beziehung des Autors zum Vater, zu den Mädchen, zum Schreiben, zur Natur, schließlich der Abschied von den Eltern am Ende der Schulzeit. Je banaler es ist, was Karl Ove Knausgård schildert, desto intensiver, scheint dem Rezensenten, wird es vom Autor behandelt. Doch das ist nur ein Eindruck. In Wahrheit berückt diese Literatur den Rezensenten mit ihrer durchgängigen Mischung aus Banalem und Existentiellem, Philosophischem. Wer dauernd wissen will, wie es weitergeht, ist hier falsch, teilt Urban-Halle uns mit, wer aber kunstvoll inszenierte Erinnerungsarbeit am Leben liebt, der lese.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.07.2014

Ein wenig verspätet hat sich nun auch Rezensent Ijoma Mangold mit dem Knausgard-Virus infiziert: Die ersten drei Bände sind irgendwie an ihm vorbeigegangen, gesteht der Kritiker; dem neuen Band "Leben" kann er sich schließlich aber nicht mehr entziehen - und spürt die Knausgard-Symptome bald am eigenen Leibe: Da erzählt einer langsam, entschleunigt gar, rückblickend aus dem eigenen Leben - wie er säuft, kotzt, mehr säuft, Mädels anbaggert, schreibend vom Erfolg träumt und sich wieder besinnungslos besäuft. Und nach 617 in nur fünf Stunden gelesenen Seiten über Glück, Schuld, Scham und Größenfantasien ist Mangold süchtig - warum? Weil Knausgard-Lektüre in ihrer zeitlichen Ausdehnung "Achtsamkeit" lehrt, Kitsch und Klischees gegen einen ebenso rührenden wie unerbittlichen Erzählstrom eintauscht und uns die "Banalität unserer kleinen Verzweiflungen" beispiellos vor Augen führt, glaubt der eingenommene Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.06.2014

Sehr kenntnisreich ordnet Dirk Knipphals diesen vierten Band des inzwischen legendären sechsbändigen Romanunterfangens "Mein Kampf" (das im Deutschen nicht so heißt) in das bisherige Gesamtwerk ein. Glaubt man dem Rezensenten, dann tut der Leser gut, zunächst die Bände 1 bis 3 gelesen zu haben, denn Band 4 ist auf den ersten blick ein wenig enttäuschend, erstmal gibt es "keine 'bedeutenden' Szenen, nirgends". Der Band wirkt wie ein traditioneller Coming-of-Age Roman vor der grandiosen Kulisse Nordnorwegens. Faszinierender wird die Sache, indem Knipphals sie in den Kontext einordnet und die beiden Kämpfe Knausgards schildert: einerseits den Kampf der Hauptfigur um Sinn in seinen Leben und andererseits den Kampf des Autors Knausgards mit den literarischen Formen. Hier liefert auch Band 4 bedeutende Puzzleteile. Am Ende stellt Knipphals Knausgard auf eine Stufe mit dem literarisch so anders verfahrenden David Foster Wallace.
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