Der Neue Conrady wurde vom Herausgeber vollständig überarbeitet und sorgfältig revidiert und ergänzt. Damit kommt die gesamte Geschichte der deutschsprachigen Lyrik vom frühen Mittelalter bis in die jüngste Gegenwart, die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts, in den Blick. Ein deutlicher Schwerpunkt liegt dabei auf den Gedichten der neueren Zeit seit Goethe und insbesondere auf der modernen und zeitgenössischen Poesie, die durch neue Gedichte älterer Autoren ebenso vertreten ist wie durch eine große Anzahl von jungen Lyrikerinnen und Lyrikern, deren poetisches Werk erst in den letzten 10 Jahren durch erste Publikationen einer größeren Öffentlichkeit zugänglich wurde. Ein ausführliches Glossar und Kurzkommentare zu einer Vielzahl von Texten erleichtern den ersten Zugang.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.12.2000
Ziemlich angetan ist der Rezensent Kurt Oesterle von Karl Otto Conradys
Arbeit, der diese Anthologie deutschsprachiger Gedichte zusammengestellt hat.
Der Herausgeber gehört nach Oesterle "auf den obersten Grad der
Anthologisten-Kunst", sein Name sei zum Markenzeichen geworden. In diesem
Zusammenhang stellt der Rezensent allgemeine Überlegungen darüber an, worauf
es bei einer Anthologie ankommt, etwa Repräsentativität der Auswahl und
Transparenz der Auswahlkriterien. Das Buch enthält nach des Rezensenten
Meinung nicht nur qualitativ hochwertige Gedichte, sondern besticht vor
allem durch Vielfalt. Der Band etabliert "keinen Kanon und keine ewige
Bestenliste", sondern `soll ein `übersichtliches Archiv deutschsprachiger
Lyrik` sein. Oesterle lobt, dass diesmal - im Unterschied zur letzten
Ausgabe von 1991 - das Mittelalter enthalten ist und empfiehlt eine Lektüre,
die sich nicht nur die Lieblingsgedichte/dichter rauspickt, sondern sich
einzelnen Epochen umfassender widmet: um "die konfliktreichen Debatten der
Gedichte untereinander nachvollziehen" zu können
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