Karl-Markus Gauß, Till Geist (Hg.)

Der unruhige Geist

Rudolf Geist. Eine Collage
Cover: Der unruhige Geist
Otto Müller Verlag, Salzburg 2000
ISBN 9783701310111
Gebunden, 210 Seiten, 21,37 EUR

Klappentext

In Rudolf Geist, dessen Geburtstag sich am 13. Juni 2000 zum hundertsten Mal jährt, ist ein unruhiger Geist des Jahrhunderts zu entdecken: Dichter, Deserteur, Prophet. Das Buch sichtet das künstlerische Werk und folgt den Lebensspuren des vergessenen Autors.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.12.2000

Rudolf Geist scheint wirklich ein unruhiger Geist gewesen zu sein. Fasziniert entnimmt Egon Schwarz dem vorliegenden Band die Lebensstationen dieses 1957 verstorbenen österreichischen Schriftstellers, der auch mal Bäckergehilfe, Filmemacher, Schmuggler und Strafgefangener war. Sein Werk scheint immense Umfänge zu haben, obwohl es heute kaum mehr bekannt ist, und darum lobt Schwarz die Initiative der beiden Herausgeber, die den Leser mit Lyrik und Prosa Geists bekanntmachen und außerdem mit "Bildern und Dokumenten, einem Vorwort und Nachwort" Auskunft über Geist geben. Als besonders untypisch würdigt Schwarz im übrigen, dass Geist einer der ganz wenigen österreichischen (und deutschen) Intellektuellen war, die die jüdischen Emigranten nach dem Krieg zur Rückkehr aufriefen. "Gerade im heutigen Österreich wäre es opportun, die Erinnerung an diesen ungewöhnlichen Menschen zu pflegen", schließt Schwarz.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.09.2000

Was tun mit der umfangreichen Hinterlassenschaft eines Dichters, die kein einziges rundum gelungenes Stück Literatur enthält, dafür um so mehr lesenswerte Passagen und originelle Gedanken, fragt Günther Stocker. Collagieren, lautete die vorbeugende Antwort der Herausgeber des Sammelbandes mit Texten von Rudolf Geist, der Stockers volle Anerkennung findet, gilt es doch seiner Meinung nach einen interessanten und unkonventionellen Denker und Literaten zu entdecken, der sich durch ebenso viele Berufe schlug wie er sich durch die verschiedensten Genres schrieb. Neben den politischen Kommentaren, in denen sich Geist ein Vorbild an seinem Landsmann Kraus nahm, sieht Stocker insbesondere zwei Texte als besonders lesenswert an: die im Wiener Arbeitermilieu der K.u.K.-Zeit angesiedelten Erzählung "Steffko erzeugt Energie" sowie das Poem "Wandert, ihr Völker der Neger!", das die rassistische Rhetorik mit expressionistischem Pathos konterkariert. Das Pathos der anderen Gedichte findet Stocker heutzutage allerdings kaum noch erträglich. Alles in allem aber ein Buch, schreibt der Rezensent, das interessante Entdeckungen gewährleistet.