Lohnt es, sich durch die 3000 Seiten von Karl Gutzkows 1862 fertig gestellten Roman "Der Zauberer von Rom" zu arbeiten, fragt Jan Süselbeck in seiner umfassenden Kritik rhetorisch und bejaht mit Emphase und Überzeugung. Nachdrücklich lobt der Rezensent die Anstrengungen des Oktober Verlags, der seit 2000 das Gesamtwerk Gutzkows sowohl in Buchform als auch digitalisiert publiziert. Den vorliegenden Roman hält der Rezensent für eines der beiden besten Bücher des Autors und er kann sich der Einschätzung von Gutzkows Wiederentdecker Arno Schmidt von 1965, "Der Zauberer von Rom" sei die beste Darstellung des Katholizismus, nur anschließen. Gutzkow erzählt in seinem vielstimmigen Buch von religiösen Eiferern, von einem deutschen Papst, der am Ende in Rom eine Reform anstößt, er beschreibt psychologisch verblüffend genau (und 40 Jahre vor Freud) paranoiden Wahn und neurotische Störungen, konstatiert Süselbeck beeindruckt. Schon die Schilderung der Misshandlungsgeschichte der aus einem Dorf stammenden 13-jährigen Lucinde zu Anfang des Buches erringt durch ihren beklemmenden Realismus höchstes Lob des Rezensenten. Solche Szenen, sowie schonungslose Darstellungen von Alkoholismus und sexuellen Obsessionen hätten Gutzkow allerdings schwere Angriffe durch den damaligen Literaturpapst Gustav Freytag eingetragen, die ihm die langjährige Arbeit des nach und nach erscheinenden Werkes sehr erschwert hätten, informiert Süselbeck.
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