Karine Tuil

Die Zeit der Ruhelosen

Roman
Cover: Die Zeit der Ruhelosen
Ullstein Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783550081750
Gebunden, 512 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Maja Ueberle-Pfaff. Der Aufstieg des brillanten Managers François Vély scheint unaufhaltsam. Bis seine Exfrau sich aus dem Fenster stürzt, als sie erfährt, dass er wieder heiraten will. Der Tragödie folgt die Entdeckung, dass seine neue Lebensgefährtin in eine Affäre mit einem Offizier verstrickt ist, der völlig traumatisiert aus Afghanistan heimkehrt. Außerdem wird Vély ein Mediencoup zum Verhängnis, man bezichtigt ihn des Rassismus und Sexismus. Als er persönlich und beruflich am Ende ist, ergreift ausgerechnet der Politiker Osman Diboula Partei für ihn - dabei ist Diboula bekannt als Wortführer gegen eine weiße gesellschaftliche Elite. Wenige Wochen später kommt es im Irak zu einer Begegnung aller Beteiligten, die für Vély fatale Konsequenzen hat. Karine Tuil erzählt von Menschen, die getrieben sind von dem Wunsch nach Anerkennung, Geld und Macht - und beinah tragisch daran scheitern. 

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.07.2017

Literatur ist Karine Tuils neuer Roman "Die Zeit der Ruhelosen" ganz sicher nicht, schimpft Rezensent Ijoma Mangold. Vielmehr erscheint dem Kritiker das Buch wie ein beflissen zusammengestelltes Presse-Dossier, in dem die französische Autorin von den Problemen in der Pariser Banlieue über traumatisierte Soldaten in Afghanistan, Populismus oder IS bis zur französischen Klassengesellschaft so ziemlich alles abarbeitet, was ihre Nation bewegt. Statt psychologiesch stimmige Figuren zu zeichnen, stanzt Tuil lieber ein paar "Pappkameraden" aus verschiedenen Milieus aus, ärgert sich der Kritiker, um gesellschaftliche Probleme zu illustrieren. Von der Handlung und den Dialogen dieses "suggestiven Narrativs" möchte Mangold gar nicht erst anfangen. Leicht verdutzt fragt man sich bei der Lektüre dieses Ausbruchs, warum Mangold einem so verabscheuten Buch den Aufmacher des Literaturteils gewidmet hat.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.03.2017

Rezensent Joseph Hanimann bekommt von den einstürzenden Twin-Towers über den Afghanistan-Krieg bis hin zu Medienaffären und Rassismus die volle Ladung Gegenwart mit Karine Tuils Gesellschaftsroman. Dass sich die Autorin dem Jetzt anders als Balzac oder Zola nicht in Panoramen aus Gruppenbeziehungen oder Einzelschicksalen zuwendet, sondern sich in die dauernervösen Lebenswelten einer Handvoll Figuren vertieft, führt laut Rezensent allerdings zu zäher Lektüre. Spannung kommt für den Rezensenten auf, wenn Tuil den Obessionen ihrer Figuren nachspürt, Figuren, die laut Hanimann leider allzu glatt und stereotyp bleiben und für einen echten Gesellschaftsroman auch nicht zahlreich genug sind.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2017

Rezensentin Sandra Kegel erkennt die Ratlosigkeit als ein entscheidendes Motiv in Karine Tuils Roman. Indem die Autorin von einem Krisenherd der Welt zum nächsten springt, über Zynismus in der Politik, den Gefühlscocktail der Einwandererkinder und die Unwägbarkeit in der Liebe erzählt, meint Kegel, bildet sie Gegenwart ab. Das Leben als Krisengebiet, in dem ihre Protagonisten pausenlos Lebensentwürfe entwerfen und wieder verwerfen, kann ihr die Autorin weniger mit einer raffinierten Sprache als vielmehr durch ihren Stoff vermitteln. Dass sich Tuils "dunkles" Gesellschaftsporträt am Ende doch für das Leben und für das Wagnis entscheidet, gefällt Kegel gut.