Karen Hagemann

Vergessene Soldatinnen

Frauen im Militär und in den Kriegen Europas seit 1600
Cover: Vergessene Soldatinnen
Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783518588406
Gebunden, 1056 Seiten, 48,00 EUR

Klappentext

Kriege werden meist von Männern angezettelt, aber ohne die Unterstützung von Frauen können sie nicht geführt werden. Und in der Tat: Frauen dienen seit Jahrhunderten in europäischen Streitkräften. Doch erinnert werden sie kaum. Bestenfalls einzelne Ausnahmeheldinnen - Amazonen in Männeruniform - haben einen Platz im kollektiven Gedächtnis, während die Geschichte der vielen aktiv am Kriegsgeschehen beteiligten Trosserinnen, Hilfskräfte, Krankenpflegerinnen und Soldatinnen größtenteils vergessen ist. Auch der massenhafte Militärdienst von Frauen in den beiden Weltkriegen ist aus der Erinnerungskultur weitgehend verdrängt. Karen Hagemann hat diese "Gedächtnislücke" nun endlich geschlossen. Umfassend und vergleichend untersucht die renommierte Historikerin den Militäreinsatz von Frauen in den Kriegen Europas seit 1600. Anhand zahlreicher Selbst- und Fremdzeugnisse lässt sie die weiblichen Kriegserfahrungen lebendig werden, beschreibt, wie diese Frauen in ihrer jeweiligen Zeit wahrgenommen wurden, und fragt, warum es über Länder- und Systemgrenzen hinweg nie gelungen ist, ihre aktive Rolle in Militär und Krieg angemessen zu erinnern. Ein Kapitel zur heutigen Situation beschließt dieses Werk.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 10.04.2026

Rezensent Michael Kuhlmann widmet Karen Hagemanns Opus magnum über die vergessene, verdrängte und verleugnete Beteiligung von Frauen in den Kriegen der letzten 400 Jahre ein außergewöhnlich umfassendes Resümee. Auch will der Rezensent die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, ein Plädoyer zu halten gegen jede Form kriegerischer Gewalt. Dass Hagemann selbst sich konsequent auf die Bedeutung des Geschlechts im Kriegskontext beschränkt, also keine Kritik und keinen Beitrag zur Erklärung von Kriegen und ihrer Entstehung an sich leistet, ist abgesehen von etlichen orthografischen und grammatischen Fehler der einzige Kritikpunkt Kuhlmanns an diesem übersichtlich strukturierten, ausführlichst recherchierten und im Allgemeinen sehr bereichernden Buch, mit dem Hagemann eine gigantische Forschungslücke schließt. Warum diese Lücke überhaupt besteht, weshalb Frauen immer wieder als passive Kriegsopfer erinnert wurden und ihre durchaus auch aktive Rolle verleugnet wird, worin genau diese aktive Rolle in den verschiedenen Kriegen von der frühen Neuzeit bis heute bestand und besteht, was Frauen dazu motiviert hat, sich am Krieg zu beteiligen - all diese Fragen und mehr beantwortet die Historikerin versiert auf über 1000 Seiten, lesen wir. Dabei lässt sie auch etliche Frauen selbst zu Wort kommen und von ihren Erfahrungen berichten. Schon jetzt ein Standardwerk, ist sich der Rezensent sicher. 

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