Karen Duve

Die entführte Prinzessin

Von Drachen, Liebe und anderen Ungeheuern. Roman
Cover: Die entführte Prinzessin
Eichborn Verlag, Berlin 2005
ISBN 9783821809526
Gebunden, 398 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Wer hätte nicht einmal davon geträumt, Prinzessin zu sein und von einem edlen Prinzen heimgeführt zu werden? Zumal, wenn man als Prinzessin im rauhen und trostlosen Nordreich Snögglingduralthorma lebt und eine Delegation aus dem sagenhaft reichen mittelmeerischen Baskarien vor den vereisten Toren der Stadt auftaucht. Doch halt: So einfach ist das in Karen Duves neuem Roman nicht - denn der stets schwarz gekleidete baskarische Prinz Diego will die bettelarme Prinzessin anfangs nur, um seine prestigesüchtige Mutter damit zu kasteien. Und gleich bei seiner Ankunft geraten die Baskarier und Prinzessin Lisvanas Landsleute in Streit. Aus der romantischen Brautwerbung wird eine echte Entführung, die entführte Prinzessin verweigert die Heirat - und im Nordreich sinnt man fortan finster brütend auf Rache ...

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.04.2005

In den Kategorien dramaturgisches Geschick und kompositorische Leistung vergibt Christoph Bartmann Bestnoten an Karen Duves Märchenroman "Die entführte Prinzessin". Nur bewundern kann er nach eigenen Worten die Liebe zum Detail, mit der Duve ihre Vergangenheit aus "Mittelalter und Shakespeare, Heidnischem und Christlichem, Archaischem und Barocken" zusammenkomponiert. Außerdem hat er sich prima amüsiert mit diesem Roman, in dem "höhere Mächte den Platz der Psychologie eingenommen haben" und in dem Prinzessin Lisvana von der gleichen "Lebensfrage" gequält wird wie Bridget Jones: "Warum konnte ihr Leben eigentlich nie einfach sein?" So weit, so amüsant: Aber ist das auch "richtige Literatur"? Da verlässt den Rezensenten ein wenig der Mut und er mag sich nur zu einem "Ja, aber nur einmal" durchringen. Jetzt heißt es wieder: zurück in die Gegenwart.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.04.2005

Karen Duve liegt dem Rezensenten Wolfgang Schneider offenbar in all ihren verschiedenen Inkarnationen, und neben eben auch als Märchenerzählerin. Mit ihren Figuren geht die Schriftstellerin dabei entgegen ihrer Gewohnheit "geradezu zartfühlend" um, stellt Schneider erstunt fest. Und auch die "souveräne Heiterkeit", die in der Geschichte um Prinz Diego und Prinzessin Lisvana und ihre zwei Märchenreiche vorherrscht, steht im Kontrast zur "düsteren" Tönung des letzten Romans "Dies ist kein Liebeslied". Allerdings entdeckt Schneider auch einige Kontinuitäten wie etwa die "gewohnte Tendenz zur Ernüchterung", die sich in der "frischen, ein wenig patzigen" Redeweise der Figuren ausdrückt, was der Märchenatmosphäre aber nicht schadet. Über das Märchen hinaus geht Duve in der Gebrochenheit ihrer Charaktere, die das "Zwiespältige des wahren Lebens" zusammen mit den Drachen der fantastischen Erzählung zu ertragen haben. Schließlich lobt Schneider auch die "vielfache Quellenlektüre", die von der Historie des Harems über Zitate Thomas Manns bis hin zu Anleihen aus der "niederen Illustriertenwelt" reichen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.03.2005

Grundsätzlich ist ja nichts dagegen einzuwenden, dass Karen Duve ins Ritterfach gewechselt ist, meint Nina May. Beklagenswert findet sie allerdings den "Verlust an narrativer Originalität", der damit einher geht. War sie von Duve bisher "eindrückliche Psychogramme" gewöhnt, wird sie jetzt mit einer "platten Erzählung" um eine Prinzessin, die für Streit zwischen zwei Königreichen sorgt, abgespeist. Als wäre das nicht genug, würzt Duve die Lesekost noch mit "willkürlichen Märchenmotiven" und "penetranter Entzauberung". Einige "schwarzhumorige Pikanterien" kann die Rezensentin zwar entdecken, etwa wenn Prinz Diego sein Vegetarierdasein mit der Pflanzenliebe der verhassten Mutter erklärt, aber das reicht nicht aus. Zu deutlich vermisst May den "hellen Wahn, der sich bei den bisherigen Werken der Schriftstellerin von selbst eingestellt hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.03.2005

Rezensentin Petra Kohse freut sich, dass "Übernatürliches für Erwachsene" nicht mehr nur auf angelsächsischen Boden zu finden ist, sondern dank Autoren wie Karin Duve mittlerweile auch in deutsche Buchauslagen "strömt". Duve, deren aktuelles Werk "unbedingt das Zeug zum Bestseller" hat, erzählt "einfalls- und detailreich" die Geschichte eines fahrenden Sängers, der mit einem Minnelied die Heiratschancen der schönen Nordland-Prinzessin steigert. Ein Prinz aus südlichen Gefilden ist interessiert, muss aber zunächst gegen einen eifersüchtigen Ritter antreten. Mit zahlreichen Drachenkämpfen und Zaubereien stecke die Geschichte "voller Verweise" auf verschiedene Märchen und Sagen, wirke dabei aber angenehm "nachbarschaftlich": Jeder, der Drachengestank nicht scheut, kann "mal rasch" ins Märchenland reisen, laute die Botschaft. Doch obwohl die Geschichte dank "Witz" und Monty Python-artiger Übertreibungen insgesamt eine "sehr gute Figur" macht, findet die Rezensentin doch eine kleine "Problemzone": Die Szenen seien zwar an sich "gelungen", aber lediglich aneinandergereiht. Eine "komplexe Komposition" sei der Autorin leider nicht gelungen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 01.03.2005

Ein "tadelloses Märchen" sieht Katrin Bettina Müller in Karen Duves Roman über den Ritter Bredur aus dem trostlosen Nordreich Snögglinguralthorma, die Prinzessin Lisvana und den krötenartigen Drachen Grendel. So klassisch dieses Märchen mitunter sei, findet Rezensentin, das größte Vergnügen bereite es, wenn Duve von den vertrauten Motiven abweiche - wenn sich etwa lebenspraktische Erfahrung in den Verlauf des Märchenhaften ein- und seine Logik aufmischen. Dennoch scheint das Genre nicht hundertprozent Müllers Sache zu sein: Man könne sich nie ganz davon frei machen, schildert sie ihren Eindruck, der Autorin sozusagen mit einem inneren Lächeln auf einen Spielplatz zu folgen, dessen Regeln die Komplexität des Lebens unterlaufen dürfen. Sie hebt aber auch hervor, dass sich Duve nicht in den Genealogien und Böse-Gut-Zeichnungen von Fantasywelten verfängt, sondern dass jedes Abenteuer seinen Sinn in den Geschichten des Erwachsenwerdens von ihren jugendlichen Helden hat. Gelegentlich werde Duve von der Leidenschaft gepackt, Details mit Lust am kulturhistorischen Wissen farbenprächtig auszumalen. Davon hätte sich Müller mehr gewünscht. Und auch, dass Duve nicht ganz so mit ihrem Märchenpersonal umspringt. "Da vermisst man dann doch den Biss und die Zumutungen ihrer anderen Bücher."
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