Prepper bereiten sich intensiv auf künftige Krisen vor, sie horten Lebensmittel, Medikamente, Survival-Ausrüstung und teilweise Waffen. Entgegen der gängigen stereotypen Darstellungen von Preppern als soziale Randphänomene zeigt Julian Genner, dass dieser Trend in der Mitte der Gesellschaft zu verorten ist.Wer aber sind Deutschlands Prepper? Julian Genner hat über mehrere Jahre mit Dutzenden Preppern gesprochen, Preppertreffen besucht, an Survival-Kursen teilgenommen und in den sozialen Medien recherchiert. Seine Studie bietet einen einzigartigen Einblick in ihre Lebenswelten. Zugleich zeigt Genner, dass die Popularität von Preppen von einem massiven Vertrauensverlust zeugt. Die Zukunft erscheint ihnen als bedrohlich und ungewiss. Umfassende Vorbereitungen versprechen Sicherheit, doch diese ist trügerisch. Je intensiver sich Prepper vorbereiten, desto bedrohter fühlen sie sich. Dieses Buch untersucht, wie der Vertrauensverlust in Misstrauen umschlägt und einem Freund-Feind-Denken Vorschub leistet. Und es wirft ein Schlaglicht auf problematische Entwicklungen in der Mitte der Gesellschaft, wie den Rechtspopulismus, das Festhalten an überholten Männlichkeitsbildern und den neuen Rechtsterrorismus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.07.2026
Rezensentin Marianna Lieder erfährt vom Schweizer Kulturwissenschaftler Julian Kaspar Genner, was sich die Preppergemeinde so alles anschafft, Konserven, Kurbelradios und Macheten, aber auch Tauschware. So weit, so nachvollziehbar, findet Lieder. Genners Erkenntnis, dass der Prepper in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, folgt sie auch noch. Wenn der Autor aber das Preppertum mit Sexismus, Gewaltbereitschaft und gar mit Rechtsextremismus gleichsetzt, steigt Lieder aus. Zu simpel scheint ihr diese Deutung der eigentlich doch vielgestaltigen Empirie im Buch, zu selektiv auch Genners historische Spurensuche in Sachen Krisenvorsorge. Dass Thoreau und die Umweltbewegung darin nicht vorkommen, erscheint Lieder symptomatisch, Genners Argumentation überzeugt sie eher nicht. Ein Prepper kann auch ein solidarischer, ökologisch gesinnter Mensch sein, gaubt die Rezensentin.
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