Dreimal sind in Deutschland im zwanzigsten Jahrhundert Presseanweisungen eingesetzt worden, um Journalisten zu einer amtlich gewünschten Berichterstattung zu veranlassen. Zum ersten Mal war dies im Ersten Weltkrieg der Fall, wozu die Initiative von den Militärs ausging. Das Forum dafür waren Pressebesprechungen in Berlin. Nach der "Machtergreifung" 1933 nutzten die Nationalsozialisten das gleiche Mittel. Auf Pressekonferenzen im Propagandaministerium wurden die Journalisten mit einer wachsenden Zahl solcher Anweisungen angeleitet. Und nach 1945 wurde diese Form der Presselenkung mittels verschiedener Instrumente auch in der DDR praktiziert. Eines davon waren die "Donnerstags-Argus". Untersucht wird im vorliegenden Band die Tradition direkter Presseanweisungen in drei politischen Systemen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.04.2008
Einen nüchternen Blick wirft Bernd Sösemann auf diese Untersuchung der Presseanweisungen vom Ersten Weltkrieg über das "Dritte Reich" bis zur DDR, die Jürgen Wilke vorgelegt hat. Er attestiert dem Autor, neben der Auswertung von pressegeschichtlichen Abhandlungen auch ein intensives eigenes Aktenstudium. Im Blick auf die vergleichende Perspektive hält er ihm vor, die Schwierigkeiten eines Systemvergleichs zu unterschätzen. Insbesondere moniert er, dass die Ähnlichkeiten stärker betont werden als die Unterschiede und das historisch Einmalige. Die Stärke des Bands sieht er dann auch nicht im vergleichenden Ansatz, sondern in der eingehenden, aus den Akten gearbeiteten Darstellung der Presseanweisungen im Ersten Weltkrieg und in der DDR sowie in den sorgfältigen Übersichten und Statistiken zu den verschiedenen Zeitabschnitten.
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