Jürgen Nordmann

Der lange Marsch zum Neoliberalismus

Vom Roten Wien zum freien Markt - Popper und Hayek im Diskurs. Dissertation
Cover: Der lange Marsch zum Neoliberalismus
VSA Verlag, Hamburg 2005
ISBN 9783899651454
Kartoniert, 400 Seiten, 34,80 EUR

Klappentext

Der Neoliberalismus hat die These vom angeblichen Ende der Ideologien eindrucksvoll widerlegt. Aber wie ist seine Wirkmächtigkeit zu erklären? Das Buch von Jürgen Nordmann ist ein weiterer Baustein in der Forschung über die Entstehung, Entwicklung und Durchsetzung des Neoliberalismus sowie als politisches Projekt. Aber wie konnte die lange Zeit randständige Gruppe neoliberaler Ökonomen um Hayek Mitte der 1970er Jahre als Gewinner aus der Krise des Keynesianismus (und des Sozialismus) hervorgehen? Nordmann entwickelt gegenüber verschwörungstheoretischen Erklärungen einen theoretisch sehr viel differenzierteren Ansatz. Er untersucht liberale Denkbewegungen bis zum Vorabend der Wende und beschreibt die Formierung neuer, um politischen Einfluss ringender Intellektuellenlager. Im Zentrum steht die Beziehung zwischen Hayek und Popper, von der gemeinsamen Herkunft aus dem "Roten Wien" der 1920er Jahre, der Kontroverse zwischen "Kritischem Rationalismus" und "Frankfurter Schule". Diese Philosophie war schon im keynesianischen Zeitalter erfolgreich und mithin ein Türöffner des radikalen Neoliberalismus.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2006

"Erhebliche Akribie" bescheinigt Rezensent Detmar Doering Jürgen Nordmanns Studie über die Wechselbeziehungen im Denken des Wirtschaftswissenschaftlers Friedrich August Hayek und des Philosophen Karl Popper und deren Rolle in der Entstehung des Neoliberalismus. Er lobt die "biografische Sachkenntnis", mit der der Autor belegt, dass beide ihre Orientierung aus der Zwischenkriegszeit bezogen. Mit der fundamentalen Kritik, die der Autor am Neoliberalismus übt, mag Doering jedoch nicht mitgehen. Hier findet der Rezensent die Argumentation bisweilen sogar "abstrus" und bemängelt vor allem, dass Nordmann offen lässt, was er denn an die Stelle des kritisierten neoliberalen Wirtschaftssystems setzen will.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.02.2006

Interessante Fragen, die das Buch hätte beantworten können, hat Hardy Bouillon genug parat. Allein der Band lässt den Rezensenten im Stich. Schuld, so vermutet Bouillon, ist eine Methode, die sich allzu sehr ihrem Gegenstand annähert. Der Neoliberalismus werde folglich weder dogmengeschichtlich noch begriffsanalytisch betrachtet, sondern allein als ideologisches Phänomen. Die für Bouillon an sich spannende Frage nach der Rolle Poppers und Hayeks bei der Durchsetzung des Neoliberalismus beantwortet der Autor dem Rezensenten nicht differenziert genug, obgleich er beider Denken und ihre Widersprüche "handfest" wiedergibt. Dass der Band verwendete Thesen und Begriffe nicht diskutiert, lässt den Rezensenten schließlich die landwirtschaftlich inspirierte Metapher vom mäßig fruchtbaren Boden bemühen: In diesem Fall ein "links-ideologisch vorgedüngter Acker, auf dem nun recht merkwürdige Erkenntnispflänzchen blühen".
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