Joshua Groß

Prana Extrem

Roman
Cover: Prana Extrem
Matthes und Seitz, Berlin 2022
ISBN 9783751800860
Gebunden, 301 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Auf der Bergiselschanze in der Tiroler Wintersportmetropole Innsbruck lernen der Erzähler Joshua und seine Partnerin Lisa im Frühsommer den sechzehnjährigen Michael Stiening kennen, ein österreichisches Skisprungtalent, das sich auf die neue Saison und seinen Angriff auf die Weltspitze vorbereitet. In den Trainingsmethoden seiner älteren Schwester Johanna finden Gravitation, Eingebundensein und Selbstkonfrontation zusammen. Als Joshua und Lisa in die Ferienwohnung im Haus der Geschwister einziehen, entsteht eine Gemeinschaft auf Zeit, zu der unerwartet noch Joshuas exzentrische, aber fürsorgliche Oma Suzet und für einige Wochen auch noch die kleine Tilde dazustoßen. Und so beginnt in diesem heißen Sommer an diesem beinahe unwirklichen Ort nahe den Sümpfen, wo Aloe Vera in den Alpen wächst, für alle eine Reise der Selbstwerdung.Prana Extrem ist ein Versuch, die sich überstürzend verändernde Welt vielschichtig abzubilden; es ist das Wagnis, durch Liebe, Aufmerksamkeit und Humor Raum für ein anderes Miteinander entstehen zu lassen; ein Buch, das vom Gelingen tiefer Verbundenheit erzählt, und ein Ort, der für die Dauer der Lektüre als magisch erhabener Gegenraum zu unserer Wirklichkeit entsteht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2022

Rezensent Tobias Lehmkuhl ist fasziniert von dem ganz eigenen Spannungsfeld, das Joshua Groß' Roman entstehen lässt: eine Art "schöne" Dystopie, in der zwar die Umwelt dem Untergang geweiht ist, dabei aber immer noch betört, und zwar die Wahrnehmung eines etwas langweiligen und oberflächlichen, auf "substanzlose Art gefühligen" jungen Manns, der ein transzendentales Bedürfnis verspürt, mit der (Um-)Welt zu verschmelzen, sich selbst aufzulösen, so Lehmkuhls Zusammenfassung. Dabei passiere nicht viel Wesentliches; der Protagonist wird 30, bekommt einen Meteoriten geschenkt und will seine Oma verkuppeln - aber wie Groß in diesem eher belanglosen Setting eben vom Klimawandel erzählt, nämlich abseits irgendwelcher Messungen etwa des Meeresspiegelanstiegs, sondern auf der Ebene unseres dadurch in der Tiefe veränderten Weltbezugs, findet der Kritiker unglaublich beeindruckend und gelungen. Ein "bedeutendes literarisches Werk", zugleich ernst und "höchst vergnüglich", so Lehmkuhl.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.10.2022

Eine geradezu rauschhaftes, Grenzen sprengendes Leseerlebnis stellt die Rezension von Valentin Wölflmaier in Aussicht. Entspannungsexperimente mit Elektroden am nackten Körper im Garten, Reisen in die subatomare Welt des Körpers, Cyborg-Theorie, aus Museen gestohlene Meteoriten, Süßkram-Exzesse und dergleichen mehr stecken in diesem Buch, das wohl auch aus seinem Setting - ein Skisprunggebiet in Tirol - enormen Reiz bezieht. Der mit 33 Jahren noch recht junge Autor, in informierten Kreisen bereits ein Star, wie Wölflmaier weiß, arbeite mit seiner "trippig-sensiblen Prosa" daran, "aus dem Vorgefertigen der Gegenwart herauszukommen". Die zwischen Nonsens-Jugendsprache, Rap-Codes, Poststrukturalismus und altertümlichem Stil changierenden Purzelbäume, die er dabei schlägt, lesen sich dennoch locker weg und schlagen den Kritiker, dessen Gehirn bei all dem angenehm zu kribbeln beginnt, völlig in den Bann. Begeistertes Fazit: Hier erklingt ein "neuer Ton in der deutschen Gegenwartsliteratur".

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 26.08.2022

Rezensent Maximilian Mengeringhaus hat Spaß mit dem neuen Roman von Joshua Groß. Sprachlich mixt der Autor Rap-Jargon und Poststrukturalismus, meint er, und durchwirkt seine Story mit Witz. Die Geschichte um einige Vertreter der "lost generation" im Innsbrucker Land, die gern kiffen und sich über Telekinese und hinduistische Transzendenz austauschen überzeugt Mengeringhaus mit einem "trashigen" Sog, Riesenlibellen, geklauten Meteoriten und einem ziemlich originellen Zugang zur Frage nach der Echtheit allen Erlebens.

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