Joshua Cohen

Solo für Schneidermann

Roman
Cover: Solo für Schneidermann
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2016
ISBN 9783895616266
Gebunden, 536 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Ulrich Blumenbach. In der New Yorker Carnegie Hall wird ein Violinkonzert aufgeführt, da kommt es zu einem Eklat. Der Geigenvirtuose Laster soll ein Solo improvisieren, doch stattdessen legt er sein Instrument nieder und hebt an zu einer Hommage an Schneidermann, den Komponisten des Stücks. Schneidermann ist nach dem letzten gemeinsamen Kinobesuch verschwunden. Vor der versammelten New Yorker High Society - darunter seine Exfrauen und deren Anwälte - erinnert Laster sich an all das, was die beiden durchlebt haben: Holocaust, Krieg und das Exil in Amerika. Mit seinem Loblied auf die Freundschaft fesselt er sein Publikum bis in die frühen Morgenstunden. In seinem Debütroman entwirft Joshua Cohen ein ungewöhnliches Künstlerporträt. Zugleich gibt "Solo für Schneidermann" die Bühne frei für eine wilde Suada voller komischer Momente.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.02.2017

Bereits 2007 im englischen Original erschienen, liegt Joshua Cohens Debütroman "Solo für Schneidermann" nun auch in einer exzellenten Übersetzung von Ulrich Blumenbach vor, freut sich Rezensentin Angela Schader. Der Roman verlangt seinen Lesern allerdings einiges ab, warnt die Kritikerin vor: Die Geschichte um den Geigenvirtuosen Laster, der vor Publikum in einem "titanischen Monolog" über die europäisch-amerikanisch-jüdische (Musik-)Geschichte des letzten Jahrhunderts, menschliches Versagen, Wunderkind-Dasein, jüdische Identität und den verschwundenen Komponisten Schneidermann reflektiert, dabei nicht zuletzt Abschweifungen etwa in Steven Spielbergs Filmwerk unternimmt, erscheint der Kritikerin eher gelehrt als herzlich. Lesern mit der nötigen Geduld kann sie dieses kluge Buch aber gern empfehlen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.01.2017

Rezensent Kai Sina hält Joshua Cohens frühen Roman in der, wie er findet, gelungenen Übersetzung Ulrich Blumenbachs, für eine Art Thomas-Bernhard-Abklatsch. Sowohl der ellenlange Super-Monolog der Hauptfigur vor der versammelten New Yorker High Society als auch der kulturkritische Inhalt erinnern ihn an Bernhard. Mindestens schwierig findet Sina den gleichfalls an Bernhard erinnernden Umstand, dass die vorgetragenen Hasstiraden gegen Schwule und musizierende Asiatinnen im Buch unwidersprochen bleiben. Hier wird die Einstimmigkeit für Sina ermüdend. Zumal der Text an Figur- und Handlungsentwicklung nicht wirklich viel bietet, wie er meint. Als experimentelles Prosawerk scheint ihn das Buch aber dennoch fasziniert zu haben.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2016

"Solo für Schneidermann" ist ein enorm forderndes Buch, stellt Rezensent Burkhard Müller klar: Wer nicht in Lyrik, Musikbetrieb, Mythologie und Literaturgeschichte bewandert ist, wird an diesem Buch wenig Freude haben. Joshua Cohen lässt darin den Geiger Laster statt eines Konzert eine Grabrede auf seinen verstorbenen Freund, den Holocaust-Überlebenden und Meisterkomponistin Schneidermann halten. Die Eloge gerät Laster zu einer Abrechnung mit der gesamten Welt, und trägt dabei, so Müller, durchaus Züge eines Universal-Ressentiments, das er fast für inakzetabel hält. Dennoch nennt Müller den Roman "witzig, aberwitzig, emotional sehr stark", bleibt aber bei aller intellektuellen Brillanz etwas reserviert. Vorbehaltlos imponiert ihm allerdings Ulrich Blumenbachs bewundernswert virtuose Übersetzerleistung.
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