Aus dem Portugiesischen von Marianne Gareis. Dies ist Jose Saramagos "kleine" Autobiographie, wie der Autor vermerkt. Und doch ist es ein "großes" Buch - der erlebnispralle, anschauliche und farbige Bericht seiner Kindheit und Jugend. Noch bevor "Zezito", so sein Spitzname, das zweite Lebensjahr vollendet hatte, zogen seine Eltern mit ihm aus dem bitterarmen Ribatejo nach Lissabon. Trotzdem blieb Saramago verwurzelt mit dem Land, kehrte immer wieder dorthin zurück, um bei seinen Großeltern mütterlicherseits zu leben. Eindringliche Szenen über die Armut der Familie wechseln mit solchen über kindliches Glück und jugendliche Entdeckerfreuden, nicht zuletzt beim weiblichen Geschlecht. Diese Erinnerungen haben ein breites Spektrum: Private Erlebnisse mischen sich mit poetischen Reflektionen, historische Betrachtungen mit Gedanken über die Welt und das Leben. Auch die Wurzeln manch späterer Romane werden hier sichtbar. Und all das wird vorgeführt in eben dem mitreißenden Stil jener Romane, wortgewandt, verschmitzt, kurzweilig und aufschlussreich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2009
Sehr eingenommen ist Rezensent Kersten Knipp von Jose Saramagos Erinnerungen an seine frühe Kindheit. Anhand kleiner und "zugleich sehr großer Szenen" umkreist der Schriftsteller in seinen Augen das Glück dieser Zeit, schildert Streiche und kleine Unfälle. Als wohltuend und charmant empfindet er es dabei, dass sich Saramago mit moralischen Bewertungen zurück hält. Schienen Knipp die letzten Romane des Autors gelegentlich auf fast schon "penetrante Weise" mit politischen Botschaften angereichert, "überlässt er sich hier der Lust am Erzählen, unbeschwerten Exkursionen, die kein anderes Ziel haben als das, zu unterhalten".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.08.2009
Bescheiden sind sie diese Jugenderinnerungen, aber aller Aufmerksamkeit wert. So befindet Hans-Peter Kunisch in seiner Besprechung von Jose Saramagos hier versammelten autobiografischen Texten. Die kleinen Begebenheiten nämlich haben es in sich. Kein "aufwendiges Bedeutungsgerüst", keine Kohärenz, dafür sind sie vielseitig, leuchtend und vor allem aufrichtig, wie Kunisch lobend erwähnt. Und irgendwo in dem fast schwelgerischen Bild von Saramagos Kindheit und Jugend in Azinhaga, das so vor den Augen des Rezensenten entsteht, lauern die Erschütterungen, Traurigkeiten, Demütigungen oder das unnachsichtige Fazit über eine verlorene Kindheitslandschaft.
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