Matthes und Seitz, Berlin 2026
ISBN
9783751810944 Gebunden, 200 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
In spracheln wirbelt José Oliver die ihm vertrauten Sprachen bald spielerisch und lustvoll, bald geradezu zornig durcheinander. Dabei verrückt er nicht nur jede für sich in sich selbst, sondern lässt die eine an der oder den anderen erwachen, indem sie sich in seinen Gedichten einander gegenseitig einschreiben, ja von ihm fast vermengt werden. In einer regelrecht exzessiven Lust an Verzweigungen spürt der Dichter sprachschöpferisch an und in den Worten sich entzündenden Fragen und ihren Mäandern nach. Seine Gedichte sind "F:undstücke", in denen er sich der Lust und der Notwendigkeit, in und mit den "W:orten" zu "spracheln", rückhaltlos hingibt. Auf diese Weise sucht Oliver die Welt in ihren Ausfransungen ebenso beharrlich auf, wie die Welt in seine Notizen, Notate, Verdichtungen und Gedichte geradezu einschlägt. Bei diesem Gegenverkehr hören sich die Sprachen gegenseitig zu, kommen ins Gespräch, bilden gleichsam einen "Duolekt". In dessen Lautvermächtnissen gewinnt im scheinbar Zusammenhanglosen das Los des Zusammenhangs poe(h)tische Gestalt: "die vision das wort / könnte / w:ort w:erden."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 26.10.2026
Rezensent Björn Hayer kommt es vor, als würde er mit José F. A. Olivers Lyrikband in eine neue Sprache abtauchen, der zwischen dem Spanischen und dem Deutschen das gewohnte "wort(gitter) verlässt und eine "Poetik der Vielfalt" aufscheinen lässt. Bei der Lektüre umgibt ihn ein wohliges Gefühl davon, was in der Dichtung alles möglich ist, Oliver setzt sich mit Ästhetik, Liebe und Verletzlichkeit auseinander, über den Tod der Mutter schreibt er beispielsweise, es "t:reibt die seelenluft/m:ein schw:eigen laut ins DU". Für den Kritiker wird hier die reale Welt einerseits genau kartiert, andererseits auch als eine bessere weitergedacht, in der die experimentelle Lyrik utopische Räume eröffnet. Hayer ist begeistert von den Versen, die "die sprache/gegen die w:orte" kämmen.
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