11. Auflage. "Jeder Mensch", schreibt Rawls, "besitzt eine aus der Gerechtigkeit entspringende Unverletzlichkeit, die auch im Namen des Wohls der ganzen Gesellschaft nicht aufgehoben weden kann. Daher sind in einer gerechten Gesellschaft die auf der Gerechtigkeit beruhenden Rechte kein Gegenstand politischer Verhandlungen oder sozialer Interessenabwägungen." Diese Behauptung versucht der Autor in seinem Buch zu analysieren. Er legt eine Theorie der Gerechtigkeit vor. Rawls´ Grundsätze der Gerechtigkeit sind von der Art, wie sie freie und vernünftige Menschen in einer anfänglichen Situation von Gleichheit anerkennen würden. In einer solchen fiktiven Situation, die dem Naturzustand in der Theorie des Gesellschaftsvertrags entspricht, kennt niemand seine soziale Stellung, seine Klasse oder seinen Status; seine Intelligenz, Körperkräfte und ähnliches; nicht einmal seine Vorstellung vom Guten. Auf diese Weise legen die Menschen unter einem Schleier von Nichtwissen ihre gegenseitigen Rechte und Pflichten fest.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.08.2001
Die Rezension der Taschenbuchausgabe dieses bereits dreißig Jahre alten Klassikers der politischen Philosophie beginnt mit einem überaus ausführlichen Aufruf verschiedener Gemeinplätze zum Thema Gerechtigkeit von Platon bis zum Grundgesetz. Dann endlich kommt Volker Wörl auf das Buch, referiert es nach den bekannten Stichworten: Gerechtigkeit als Fairness, Ablehnung des Utilitarismus, Gleichverteilung sozialer Werke, Thesen zur Moralpsychologie. Völlig ausgeblendet bleiben genauere Einordnung des Werks, historische Situierung, Diskussion von Gegen-Argumenten und Reaktionen auf Rawls' großen Wurf. Dafür bekommt man den merkwürdigen Hinweis, dass "dies ein wissenschaftliches Buch ist". Aha.
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