Johannes Laubmeier

Das Marterl

Cover: Das Marterl
Tropen Verlag, Stuttgart 2022
ISBN 9783608501681
Gebunden, 288 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Ein kleiner Junge mit Taucherbrille und Regenjacke, Meeresforscher für einen Nachmittag, wartet am Bahnhof auf seinen Vater. Der erste Höhenmesser in speckigem Leder beim Aufstieg zum Watzmann. Der Vater draußen vorm Italiener am Markt bei Apfelschorle und Espresso. Bilder wie Gedenkkreuze am Wegesrand, Bilder einer bayrischen Kindheit um 2000. Doch als sein Vater bei einem tragischen Motorradunfall ums Leben kommt, endet die Jugend abrupt. Johannes beginnt ein neues Leben, verliebt sich. Doch die Bilder fordern immer mehr Raum, werden allgegenwärtig. Um die Zukunft zu retten, muss er sich der Vergangenheit stellen, muss er zurück in die Heimat: Eine Stadt, deren Bewohner verzweifelt versuchen, mit ihren Starkbierfesten, Maibäumen und anderer Folklore jeden Wandel fernzuhalten. Was ist die Zeit, Veränderung oder Wiederkehr? Was ist Erinnerung, Fluch oder Segen?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.07.2022

Marterl, erklärt Rezensent Rainer Stephan, meint im Bayrischen ein persönliches, oft eigenwillig gestaltetes Schild an einem Ort, an dem eine geliebte Person ums Leben kam - ein kleines Denkmal also für etwas unwiederbringlich Verlorenes und damit passender Titel für Johannes Laubmeiers "bemerkenswert schönes" Debüt. Die Heimatstadt, die Vaterfigur, die Jugend - diese Trinität ist es, die der Erzähler sucht, lesen wir, doch was er stattdessen findet, ist die schmerzvolle Einsicht, dass Heimat, wie Bloch einst sagte, dort ist, "worin noch niemand war". Die Suche des Erzählers wird demnach zu einer Erfahrung des Scheiterns und des Verlusts, von der zu lesen jedoch seinen Reiz hat. Diesen besonderen Reiz beschreibt Stephan, in dem er aufzählt, worauf der Autor in "Das Marterl" verzichtet: Schnörkellos ist die Sprache, frei von Psychologisierungen die Figuren- und Selbstbeschreibungen, Bilder, ob von Landschaften oder Menschen bleiben stets skizzenhaft, und Heimatkitsch, Klischees und Nostalgie haben in diesem Roman keinen Platz. Gerade diese Nüchternheit macht das Scheitern, von dem hier erzählt wird, umso nachvollziehbarer. Die seltsam "melancholische Versöhnlichkeit", mit der das Buch endet, scheint dem Rezensenten daher fast unglaubwürdig, nimmt dem Buch jedoch nichts von seiner Schönheit.

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