Heidi Benneckenstein

Ein deutsches Mädchen

Mein Leben in einer Neonazi-Familie
Cover: Ein deutsches Mädchen
Tropen Verlag, Stuttgart 2017
ISBN 9783608503753
Gebunden, 252 Seiten, 16,95 EUR

Klappentext

Wer so tief im braunen Sumpf steckt, schafft es nicht über Nacht hinaus. Heidi wächst in der alles umfassenden Ideologie einer Nazi-Familie heran, in militanten Jugendgruppen und Kameradschaften. Mit Drill, Schlägen und Belohnung wird sie auf ein Leben im rechten Hass-Milieu vorbereitet. Mit zwanzig findet sie den Mut auszusteigen. Hier blickt sie noch einmal in die Abgründe dieser Parallelwelt. Deutschland, Ende der 1990er, ein idyllisches Dorf bei München. In Heidis Familie ist die Zeit stehen geblieben. Als kleines Mädchen wird sie in konspirative Ferienlager der "Heimattreuen Deutschen Jugend" geschickt, wo schon für die Kleinen paramilitärischer Drill auf dem Programm steht. Dort lernt sie auch, das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 in Holz zu sägen. Mit fünfzehn nimmt Heidi an rechten Aufmärschen teil, hetzt gegen Ausländer und prügelt auf einen Fotografen der "Lügenpresse" ein. Heidis Welt bekommt erste Risse, als sie Flex kennenlernt, einen nicht mehr restlos überzeugten Liedermacher aus der rechten Szene. Mit zwanzig vollzieht sie die komplette Kehrtwende, bricht den Kontakt zu ihrer Familie ab, taucht unter, lässt die Welt der alles umfassenden Nazi-Ideologie hinter sich und durchläuft ein Aussteiger-Programm.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2017

Rezensentin Karin Truscheit erhält mit diesem Buch von Heidi Benneckenstein tiefe Einblicke in die Neonazi-Szene. Die Autorin, die in einer stramm rechten Mittelschichtsfamilie im Münchner Speckgürtel aufwuchs, erzählt ihr hier, wie sie schon als Kind in rechtsnationale Ferienlager geschickt wurde, dort etwa die Deutschlandkarte in den Grenzen von 1937 aus Sperrholz aussägen musste und von der Großmutter auf "jüdisch" aussehende Menschen hingewiesen wurde. Mit "Sarkasmus und Schaudern" schildert Benneckenstein zudem ihre Teilnahmen an NPD-Treffen oder Neonazi-Begräbnissen, berichtet die Kritikerin. Ein beeindruckendes Dokument, das nicht nur von dem schwierigen Ausstiegsprozess erzählt, sondern auch über rechtsextremes Gedankengut im bildungsbürgerlichen Milieu aufklärt, schließt die Rezensentin.

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