Joe Dunthorne

Ich, Oliver Tate

Roman
Cover: Ich, Oliver Tate
Rowohlt Verlag, Reinbek 2008
ISBN 9783498013264
Gebunden, 380 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Mayela Gerhardt. Oliver ist fast fünfzehn und gerade noch Jungfrau, doch das soll sich ändern, am besten sofort. Oliver weiß alles und hat nicht den blassesten Schimmer. Seine Freundin Jordana wiederum hat eine Hautkrankheit und auch sonst eine Menge Probleme. Eines davon ist - Oliver Tate. Oliver Tate, der selbstgerecht ist, klug, grausam und verletzlich. Der dicke Mädchen quält und Hunde hasst. Der küsst, als wolle er Zahnfüllungen spachteln, Fremdwörter sammelt und das Sexleben seiner Eltern sehr genau überwacht: Zwei Monate ohne Beischlaf, lautet sein alarmierender Befund, das Ende ihrer Beziehung steht unmittelbar bevor. Bis Oliver die Sache selbst in die Hand nimmt. Mission: Ehe der Eltern neu beleben, jedes Mittel erlaubt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.07.2009

Rezensent Kai Wiegandt hat den Roman "Ich, Oliver Tate" von Joe Dunthorne sehr gern gelesen, der von den Irrungen und Wirrungen des 15-jährigen Olivers erzählt. Dem Rezensenten ist dieser Held nicht nur durch seinen Sinn für walisische Sonderlichkeiten und Klangwunder ans Herz gewachsen, sondern auch durch seine pubertäre Art: "besserwisserisch und verletzlich, fies und zugleich empfindsam". Und egal ob Oliver Tate über sein erstes Mal nachdenkt, dem Sexualleben seiner Eltern auf die Sprünge hilft oder das Tagebuch einer Mitschülerin verbrennt - Rezensent Wiegandt findet, dass Olivers jugendliche Abenteuer sich zu einer guten Mischung aus "bizarren Ideen" und "fiktiven Taten" verbinden. Etwas zu offensichtlich findet er die Pointen am Ende der Absätze, was seinen grundlegend positiven Eindruck jedoch nicht beeinflusst. Lobend äußert er sich zudem über die geschmeidige Übersetzung von Mayela Gerhardt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2009

Den Debütroman von Joe Dunthorne stellt Tobias Döring als Adoleszenz-Geschichte des Ich-Erzählers Oliver Tate vor, der im Buch nicht nur seine Jungfräulichkeit zu beenden trachtet, sondern sich auch aufgerufen sieht, die von ihm in der Krise vermutete Ehe seiner Eltern zu retten. Wie schon in Jean Paul Sartres "Les mots" wird hier das Erwachsenwerden untrennbar mit der Welt der Wörter verknüpft, der sich der junge Tate mit "fetischistischer Lust" verbunden fühlt, stellt der Rezensent fest. Er rechnet es der Übersetzerin Mayela Gerhardt hoch an, dass ihre deutsche Fassung diese Verfallenheit an die Wörter adäquat transportiert. Insbesondere die erotische Sozialisation Tates hat Döring wegen der Bösartigkeit und der Komik der Schilderungen, hinter der sich doch die "Trauer" um den Verlust der Kindheit verbirgt, ausgesprochen gern gelesen. Zunehmend aber scheint ihm der Roman in einen "Leerlauf" zu geraten, weil die hypertrophe Sprache sehr viel weiter zu reichen scheint als die mitzuteilende Geschichte, wie er unzufrieden bemerkt. Und so hätte der Roman, wenn es nach dem Rezensenten gegangen wäre, durchaus kürzer sein dürfen, wenn er auch keinen Zweifel daran lässt, dass er auf die weitere Entwicklung des als neues "Wunderkind der britischen 'Creative Writing'-Szene" gefeierten Dunthorne gespannt ist.

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