Als das Kulturelle beschreibt Jochen Bonz die Gegenwartskultur im Moment des Aufgelöstseins einer Grundannahme klassischer Kultur- und Sozialtheorien: der Kongruenz von gesellschaftlicher Realität und subjektiver Wirklichkeitswahrnehmung. Nicht länger Bedeutungen, Werte und Gegenstände von kollektiver Gültigkeit, sondern eine Gegenwart ohne Ende, die Depression, bilden die Grunderfahrung des Subjekts in der spätmodernen Kultur. Die Studie entwickelt ihre Überlegungen in der Auseinandersetzung mit einer Fülle kulturtheoretischer Konzeptionen und in eindringlichen Fallstudien an popkulturellen Phänomenen aus Musik, Film und Literatur.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 15.03.2012
Jochen Bonz' Schrift "Das Kulturelle" verblüfft Thomas Assheuer mit einer radikalen These: die "symbolische Ordnung", die Rolle, die der klassische Kanon an Werken einmal für unsere Identität gespielt hat, sei im Verschwinden begriffen. Statt Bedeutung und Stimme, sei nur noch die Stimmung bedeutsam, weil uns der einmal transportierte Sinn verloren gegangen sei. Assheuser findet diese These plausibel, jedenfalls nachdem Bonz ihn mit zahlreichen Beispielen versorgt hat - der Rezensent erwähnt nur Charles Kaufmanns und Spike Jones' Film "Adaptation" und die Prosa von Reinald Goetz. Leider sei das Buch "spröde" zu lesen, bedauert Assheuer. Außerdem hätte er gerne etwas mehr darüber erfahren, wie und warum der Bedeutungswandel oder -verlust eigentlich vonstatten geht. Der Rezensent sieht jedenfalls einen Zusammenhang zum symbolischen Kapitalismus, der die gleiche Form von Kultur als Ereignis, als Konsumgut bevorzuge und es dabei gerne "atmosphärisch" hat.
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