Ignacio Ramonet

Kriege des 21. Jahrhunderts

Die Welt vor neuen Bedrohungen
Cover: Kriege des 21. Jahrhunderts
Rotpunktverlag, Zürich 2002
ISBN 9783858692474
Kartoniert, 217 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Birgit Althaler. Das neue Jahrhundert hat mit Krieg begonnen. Neben den Bombardierungen, Panzerinvasionen, Häuserkämpfen, Terroranschlägen leidet die Erde noch an tausend weiteren Krankheiten. So sterben jeden Tag 24 000 Menschen an den Folgen von Hunger und drei Viertel davon sind Kinder unter fünf Jahren. Täglich werden rund 100 Tier- und Pflanzenarten ausgerottet. 1,5 Milliarden der Menschen auf dem Planeten haben keinen Zugang zu Trinkwasser. Der Glaube, dass die Globalisierung mit Hilfe der Wirtschaft zum allgemeinen Glück der Menschheit führen würde, hat sich als Illusion entpuppt. Es müssen andere Wege gefunden werden, um die finale Katastrophe, das Ende der Menschheit, abzuwenden. Daher plädiert Ignacio Ramonet für einen kulturellen Paradigmenwechsel.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.03.2003

Rezensent Thomas Günther zeigt sich recht angetan von Ignacio Ramonets "Kriege des 21. Jahrhunderts". Wie Günther ausführt, zeigt Ramonet darin die Verbindungen zwischen neoliberaler Globalisierung, Terror und Krieg auf. So verweise er etwa auf einen interessanten Zusammenhang des neuen Terrorismus a la al-Qaida und der neoliberalen Globalisierung: bei gleichzeitiger Schwächung von staatlichen Strukturen und Politik gewännen Netzwerksstrukturen an Bedeutung. In diesem Sinn sehe Ramonet auch al-Qaida stark an die bestehende Form der Globalisierung angepasst. Kriege zielen im Zeitalter der Globalisierung nach Ramonet weniger auf die Eroberung von Ländern als auf die von Märkten, hält Günther fest. Eroberte Gebiete seien langfristig politisch nicht haltbar, militärisch gefährlich und finanziell kostspielig, gleichzeitig würden neoliberale Ziele mit den neuen Kriegen durchgesetzt. Auch wenn Ramonets Analysen nach Ansicht Günthers relativ düster sind, bleibe der Autor optimistisch. Günther sieht in seinem Buch dann auch ein "Plädoyer für eine bessere Welt". Ramonets Vision einer Zukunft, in der der Mensch das Ruder in die eigene Hand nehme und das sozial wie ökologisch zerstörerische System besiege, klingt für Günther "wunderbar". "Über den Weg dahin", so der Rezensent abschließend, "hätte man aber gern etwas mehr gelesen."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.12.2002

Eine "Anklageschrift" hat Ignacio Ramonet, Chefredakteur der Zeitschrift "Le Monde Diplomatique", verfasst, schreibt ein "pi" zeichnender Rezensent. Auf der Anklagebank sitzen die USA und die Institutionen, die im Namen der Globalisierung "Gewinnmaximierung ohne Rücksicht auf Verluste" betreiben: Weltbank, IMF, OECD und WTO, die für Ramonet inzwischen einen "supranationalen Staat" bilden, ohne demokratisch legitimiert zu sein. Das Ergebnis ist fürchterlich, referiert der Rezensent, dem angesichts der aufgezählten Übel - Kriege, Hungersnöte, kulturelle Gleichschaltung - leicht übel wurde. Er ärgert sich über den "undifferenzierten Unterton" dieser Anklage und kann sich auch mit Ramonets Forderungen nicht anfreunden: "Arbeit und Einkommen sollen neu verteilt werden, und jeder Bürger sollte ein Basiseinkommen erhalten" - das hält unser Rezensent dann doch für illusorisch.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.10.2002

Nach Jürgen Busche kommt der Chef von Le Monde diplomatique bei der Erläuterung der neuen Bedrohungen auch auf den "Individualstaat" zu sprechen, wie ihn Osama bin Laden als erster verkörpert, der zunächst allerdings noch einen "leeren Staat" wie Somalia oder Afghanistan benutzen muss wie ein Einsiedlerkrebs die Muschel. Ob Busche das überzeugend findet, verrät er uns nicht. Interessanter scheint für ihn, dass der Autor "Stichworte zur politischen Analyse" ausführlich "erläutert und kommentiert". Insgesamt empfiehlt der Rezensent dieses Buch als "polemisches Kompendium", wobei das Polemische daran für Busche nicht dem Stil des Autors geschuldet ist, sondern allein dem Inhalt, in dem es um "Globalisierungsdynamik, Nationalpopulismus", um die "Geopolitik des Hungers" sowie "bedrohte Ökosysteme" geht.

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