Jo Lendle

Mein letzter Versuch, die Welt zu retten

Roman
Cover: Mein letzter Versuch, die Welt zu retten
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2009
ISBN 9783421043917
Gebunden, 248 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

1984 reist die halbe Republik ins Wendland, um gegen die Castortransporte zu protestieren. Auch Florian, siebzehn Jahre alt, will die Welt verbessern und macht sich zusammen mit Freunden auf den Weg. Es ist der Tag, bevor er stirbt. Ein Roman voll untergründiger Spannung über eine politisch bewegte Zeit, in der man ohne "Atomkraft Nein danke"-Anstecker schon verloren hatte. Eine Zeit, als es auf jede Frage eine Antwort gab. "Stell dir vor, es ist Demo und keiner geht hin" - kaum denkbar in den achtziger Jahren, als alle dafür waren, dagegen zu sein. Auch Florian ist dagegen: Er macht sich auf den Weg ins Wendland, um mit Freunden gegen die Atommülltransporte zu protestieren. Zum ersten Mal trägt er den Familienanzug, der einmal seinem kleinwüchsigen Onkel gehörte und der ihm viel zu kurz ist; es ist ein wichtiger Tag für ihn, dieser 28. April, der Tag, bevor er stirbt. Bis zum Abend fühlt sich alles wie ein Ferienausflug an, doch dann brechen im Zeltlager erhitzte Diskussionen aus, zwischen Gewaltfreien und Anarchos, Frauengruppen und einheimischen Bauern.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.12.2009

Laut Alex Rühle hat Jo Lendle das doppelte Wissen: Er weiß, wie man schreibt - Lendles Debütroman fand Rühle sehr gelungen - , und er weiß, wovon er schreibt - Lendle ist 1968 geboren, wie sein Romanheld. Dennoch scheint für Rühle einiges im Buch nicht zu gelingen. Denn die Beschreibungen der Bundesrepublik in den achtziger Jahren geraten Lendle zu exemplarisch, wie Rühle findet, so dass man sich eher an eine Museumsbesichtigung erinnert fühle, mit all der Blassheit die einem solchen Unterfangen innewohnt. Ein Lichtblick ist für Rühle die Liebesgeschichte innerhalb des Textes: "zart, hilflos und doch stark". Allerdings werde auch diese wieder von Lendles stetiger Symbolträchtigkeit überschattet. Am Ende will Rühle nicht mehr anders, als der Zeitdiagnose Lendles ein abschließendes "Amen" entgegnen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2009

Nach der Lektüre von Jo Lendles Wendland-Roman weiß Rezensentin Sarah Elsing wieder ganz genau, wie die Wallekleider der Frauenbewegten aussahen und die Protestbuttons, wie Schweiß-Rum-Cola duftet und wie ideologiefreies Argumentieren ging mit Gerd, Gabi und den anderen. Wie Lendle den Blick auf den Verlust der Unschuld im Sprach- und Diskursmief der alten Bundesrepublik scharfstellt und beim Leser mit knapper, metaphernfreier Sprache Gerüche und Bilder wachruft, findet Elsing groß. Wenn Lendle die Verlorenheit der 68er-Kinder in der Antiatomkraftbewegung aus der Perspektive eines Pubertierenden beschreibt, ahnt die Rezensentin respektvoll die dem zugrunde liegende Leidenserfahrung des Autors.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.09.2009

Als "früh vergreiste Leitartikelprosa" verreißt Walter van Rossum diese aus seiner Sicht mäßig proustinspirierten Jugenderinnerungen aus der westdeutschen Antiatombewegung der 80er Jahre. Sterbenslangweilig findet er die Hauptfigur, einen Jungdarsteller voller Alterweisheit, wie van Rossum genervt informiert. Auch fragt er sich, an wen genau sich diese Ausführungen eigentlich richten.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.09.2009

Gute Noten vergibt Rezensentin Christiane Pöhlmann an diesen Roman, in dem aus der Sicht eines 17-Jährigen ein Anti-Atom-Wochenende in Gorleben Mitte der achtziger Jahre geschildert wird. Pöhlmann findet die Story interessant, die Sprache bedacht und viele Sichtweisen des Romans höchst ansprechend. Es überzeugt sie die Hauptfigur ebenso wie das Geschilderte bundesrepublikanische Milieu der Kinder von 1968: aus politisch korrektem Haus, verklemmter als ihre Eltern, deren Dauerjugend sie andererseits bedrückend finden. Es steckten viele Geschichten in diesen 250 Seiten, schreibt die Rezensentin auch, nämlich Pubertät, APO und BRD, als deren Abschiedslied sie diesen Roman auch ein Stück weit gelesen hat.
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