Der Band umfasst sechs Kurzgeschichten der koreanischen Erzählerin Jo Kyung Ran. Es sind Erzählungen der leisen Töne, eindringliche Geschichten über Menschen und Schilderungen von Einsamkeit, Liebe und Tod, die oft ins Phantastische hinübergleiten. So bekommt die Protagonistin der Titelerzählung regelmäßigen Besuch von einem Elefanten, den außer ihr niemand sehen kann. In "Kim Young Hee vergießt eine Träne" kann sich eine Hausbewohnerin nicht erklären, warum über Nacht alle Gegenstände in Unordnung geraten. Das traurige Ende eines einsamen Mannes ("Ich bin der Dorfbarbier") mit außergewöhnlichem Gehör oder der Lebensbericht einer Frau, die zu ihrer im Koma liegenden Nichte spricht ("Das Gedächtnis der Bäume"), sind bewegende Beschreibungen menschlicher Schicksale.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2004
Steffen Gnam bezeichnet Jo Kyung Ran als eine "Dramaturgin der Düsterkeit, eine Grenzgängerin zwischen Malerei und Literatur, Traum und Traumata". Mit schwebender Sprache verwandle sie den Alltag und die Ängste der postideologischen koreanischen Generationen - oft sind ihre Helden "Außenseiter, Neurotiker, Kleptomanen oder Selbstmordkandidaten" - in poetische, oft rätselhafte Psychogramme oder Satiren. Die Beiläufigkeit der Erzählung, der "Hauch morbider Melancholie", das Spiel der Autorin mit kulturellen Konventionen, die philosophischen Fäden, die sich durch die Geschichten ziehen - das alles hat den Rezensenten sehr gut gefallen.
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