Jesus Carrasco

Die Flucht

Roman
Cover: Die Flucht
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2013
ISBN 9783608980011
Gebunden, 207 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Petra Strien. Ein Junge flieht. Die Schreie seiner Jäger verfolgen ihn. Tagsüber kauert er in einem staubigen Versteck. Nachts kämpft er sich in der Dunkelheit vor und sucht in vertrockneten Brunnen nach Wasser. Vor ihm liegt nichts als die ausgebrannte Ebene, eine Welt unerbittlicher Hitze und Gesetzlosigkeit. Und es gibt kein Zurück. Auf seiner Flucht durch die karge, ausgedörrte Landschaft trifft der Junge auf einen alten Ziegenhirten. Inmitten einer von Misstrauen geprägten Welt ohne Moral oder Menschlichkeit entsteht ein ungewöhnliches Band zwischen den beiden. Der Junge, der nichts kennt als Angst vor der Hitze, Angst vor anderen Menschen und dem Tod, lernt gegenseitige Verantwortung und Rücksichtnahme kennen. Doch als die Verfolger sie einholen, kämpfen er und der alte Mann nicht mehr für Gerechtigkeit, sondern einzig um ihr Überleben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.07.2013

Sabine Vogel ist selbst ganz überrascht davon, wie sehr sie "Die Flucht" von Jesús Carrasco gefangen genommen hat, denn eigentlich ist die Geschichte, die der spanische Autor darin erzählt, altbekannt: eine Junge flieht vor etwas in die Wüste, wird von einem alten Mann aufgenommen, der ihm das Überleben in der Wildnis beibringt, Showdown, Schluss. Was dieses Buch so besonders macht, ist Carrascos Sprache, die zwischen Drastik und Zartheit changiert, sein sorgsames Haushalten mit Ballast, er gibt keine Erklärungen, keine Psychologie, reduziert die Erzählung auf das Elementare, berichtet die Rezensentin begeistert. Carrasco hat einen Roman gedichtet, der auch als "zeitlose Parabel" funktioniert, weil er sich nur auf den basalsten Überlebenstrieb verlässt, um seine Geschichte zu motivieren, auf die "radikale Dinglichkeit", erklärt die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.04.2013

Florian Borchmeyer hat sich eine ganze Weile die große Aufregung angesehen, die seit einiger Zeit um den spanischen Autor Jesús Carrasco und seinen Debütroman "Die Flucht" herrscht - und das schon Monate vor der Erstveröffentlichung des Romans auf Spanisch. Allenthalben hieß es, ein Nachwuchsstar reife da heran. Entsprechend gespannt war der Rezensent, was da in der druckfrischen deutschen Übersetzung nun seiner harrte. Für Borchmeyer: nur eine herbe Enttäuschung. Ein kleiner Junge, der jahrelang mit dem Wissen seines Vaters vom örtlichen Polizeiwachtmeister vergewaltigt wurde, flieht in die Wüste, wo er hungernd und durstend auf einen frommen Hirten trifft, der ihm mit neutestamentarischer Barmherzigkeit und alttestamentarischer Rechtschaffenheit zu helfen weiß, fasst der Rezensent zusammen. Der Anspruch Carrascos scheint ihm ziemlich offensichtlich zu sein: mithilfe unterbestimmter Beschreibungen, Anachronismen und reichlich Pathos die "Parabel einer existentiellen Endzeit" zu erschaffen. Stattdessen ist ein Buch entstanden, meint Borchmeyer, das mit seinem stilistischen und christlichen Kitsch höchstens reaktionäres Potential hat. Der Übersetzung von Petra Strien ist beides nicht zur Last zu legen, betont er.